Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

VL Psychiatrie, 
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Verf. den ominösen Namen niemals aus und verbannte. diesen 
Dämon mit Hülfe der politischen Behörde binnen 10 Monden 
durch physische Bändigung. Bloss ein Mann fiel als Opfer, in- 
dem er sich ein Messer durchs Herz stach. Die Mehrzahl die- 
ser Wahnsinnigen waren Männer in ihrem kräftigsten Alter, bei 
den Weibern stieg das Uebel nie so hoch. Die Subjecte sowohl, 
wie die Hauptzüge des Leidens, von dem sie ergriffen wurden, 
waren sich sehr ähnlich, weshalb eine Krankheitsgeschichte hier 
statt aller zu stechen genügt. — Ein Wirth und kräftiger, thä- 
tiger Mann von 4%5 Jahren ging häufiger als sonst und zu unge- 
wohnten Zeiten mit gesenktem Kopfe und trüber Miene in die 
Kirche. . Vater von 4 Kindern und Eigenthümer eines schönen 
Bauergutes lebte er in guten Verhältnissen und. zufrieden mit 
den Seinigen. Seit mehrern Wochen war er traurig, niederge- 
schlagen, arbeitete weniger und äusserte einigemale ernsihaft, 
dass die Welt wohl zu Grunde gehen werde, wenn die Men- 
schen nicht Busse thäten und sich bekehrten. Er war wortarm, 
heftiger als sonst und brach sich manchmal an der gewohnten 
Nahrung etwas ab; übrigens bemerkte man keine Geistesstörung, 
und seiner Versicherung nach fehlte ihm nichts. Bald hörte er auf, 
ausser mit seiner Familie, mit Jemandem zu sprechen , wurde stör- 
rischer und unfreundlicher, er ging noch öfter in die Kirche, 
blieb daselbst 6—8 Stunden, verzerrte, beim Ein- und Aus- 
gange daselbst, das Gesicht und machte auffallende Gesticulatio- 
nen. Ausser mit Weib und Kind sprach er mit Niemandem, floh 
Gesellschaften, suchte einsame Orte , wurde menschenscheu; sein 
Blick finster, sein Gesicht trübe und ernster. Er verschmähte 
ärztliche Hülfe, schied sich immer mehr von den Menschen ab, 
wurde wortkarger, in sich gekehrt, ass und trank weniger und 
bekümmerte sich, mit Ausnahme seines kleinen Sohnes, um die 
UVebrigen nicht. Sein Gesicht ward düsterer, die Farbe dessel- 
ben schmuziger, die Augen glänzender. Von Anfang dieses Zu: 
standes bis jetzt mochten etwa 6 Wachen verstrichen seyn, als 
Verf. eiligst zum Pat. gerufen wurde. Letzterer sass in seinem 
Beite, unter dem noch die Ueberreste eines reichlichen Span; 
feuers brannten, mit dem Ausdrucke der höchsten Wuth, fast 
entkleidet, mit krampfhaft angespannten Mänden den nackten 
4jährigen geängstigten Sohn haltend und vom Opfer Abraham’s 
murmelnd. Kin grosses. Messer hatten ihm die auf des Kindes 
Geschrei Herbeieilenden entrissen. Die Gefahr für das Kind, 
für den Pat. selbst, für die Umstehenden und für sein Haus 
machte ein rasches Einschreiten nothwendig.. Der Arzt zog ein 
Messer, ging kühn auf den Pat. zu, befahl ihm barsch, aufzu- 
stehen und ihm den Knaben zu geben, wenn er nicht. wollte 
niedergestossen seyn. Er folgte in allem unverweigerlich und 
liess sich fesseln. Kine höchst gebieterische Behandlung setzte 
den Pat. in Furcht und Angst; nur wenn er allein zu seyn glaubte, 
fluchte und tobte er. Er verweigerte standhaft jede Nahrung, 
sprach mit Niemandem, brachte die ersten Nächte unruhig zu, liess
	        
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