Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

IV. Chirurgie und Ophthalmologie. 
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IV. CHIRURGIE und ÖPHTHALMOLOGIE: 
18, Die Gaumennaht, mit glücklichem Erfolge 
vom Prof. Dr. Decruann in Kiel an dem Licentiaten Ahrens 
ausgeführt; vom Operirten selbst beschrieben. Durch Hem- 
ınungsfehler der ersten Bildung mit weit gespaltenem weichen 
Gaumen behaftet, war derselbe dem Verf. in mancher Beziehung 
ein Hinderniss. Vorzugsweise war die Sprache stark näselnd und 
für Unbekannte oft unverständlich und unangenehm, wenn er 
sich auch gleich grosse Mühe gab, die einzelnen Wörter mög- 
lichst deutlich zu articuliren. Besonders war die Sprache un- 
deutlich, wenn in den Sylben viele Gaumenbuchstaben vorkamen, 
oder wenn, in die Hitze gerathend, zu schnell gesprochen wurde. 
Auch konnte er: nicht in horizontaler Lage schlingen, da dann die 
Speisen, besonders Getränke, sehr leicht in die Luftröhre glit- 
ten, so wie er auch nicht, ohne die Nase zu verschliessen, an- 
haltend Luft aus dem Munde stossen konnte, Als Kind hatte er 
nicht saugen können, und er war daher nur aufgefüttert worden. 
Was die Entstehung dieses Uebels anlangt, so soll sich seine 
Mutter, gerade als sie mit ihm schwanger ging, doch ist nicht 
bekannt, in welchem Mönate der Schwangerschaft, vor einem an 
demselben Uebel leidenden und ihr gerade gegenübersitzenden 
Manne, der stark gähnte, ohne die Hand vor den Mund zu hal- 
ten, heftig entsetzt haben, Es muss also gerade zu dieser Zeit 
der weiche Gaumen in seiner Bildung begriffen gewesen seyn 
und durch den Einfluss, den der heftige Schreck der Mutter auf 
die Ausbildung des Kindes ausübte, muss die fernere Gaumen- 
bildung gerade auf der Stufe, auf der sie sich damals befand, 
verharrt haben. Die Spalte des, Gaumens betrug etwa 1} Zoll 
in der Länge, der unterste Theil des Spaltenrandes mochte wohl 
3} Zoll von einander abstehen und das Zäpfchen war ebenfalls 
gespalten, und es lag ein beinahe ‚gleichgrosses Stück desselben 
zu jeder Seite. Da nun dem Leidenden wesentlich daran gele- 
gen war,. den Nachtheilen dieser Missbildung, namentlich der 
stark: näselnden Sprache, abzuhelfen, so entschloss er sich, der 
neuerlich nicht selten glücklich ausgeführten Gaumennaht sich zu 
unterwerfen. DercKmann vollzog sie zuerst 1831, doch war der Er- 
folg der Operation nicht glücklich. Es entstand nämlich nicht 
die gehörige adhäsive Entzündung, auch wurden am zweiten Tage 
die bis dahin genau vereinigten Wundränder durch Niesen ge- 
trennt, und es vernarbten nur einige Linien am obern Theile der 
Spalte. Dadurch liess sich aber A. micht abschrecken, beson- 
ders da Mehrere behaupten, dass eine zweite, oder mehrmalige 
Wiederholung dieser Operation die Theile zu leichterer Vereini- 
gung geneigter mache, Die Operation wurde daher am 4, Oct. 
desselben Jahres von Drckmann wiederholt und der Krfolg war 
ein glücklicher. Die Spaltenränder wurden dabei mittelst Staar- 
messers, indem der untere Fheit eines jeden Raudes mit einer
	        
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