Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

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VL Staatsarzneikunde. 
bend aus dem Wasser gezogen wurden, als auch bei den darin Er- 
trunkenen, selbst wenn sie noch längere Zeit darin gelegen, bald of- 
fen stehend, bald zurückgeschlagen , bald ganz, bald halb schlies- 
send, — 7%) Das Flüssigbleiben des Blutes. WVrf. fand das Blut alle 
Mail sowohl im Herzen ,. als auch in.den Gefässen flüssig; aber wie 
lange, es flüssig bleibe, lässt sich nach diesen, gleich hach dem Tode 
angestellten Untersuchungen nicht bestimmen. —- 8) Das: Hervor- 
quellen des Blutes aus den blossgelcgten Schädelknochen fand Verf. 
in keinem Falle, vielleicht weil er die Thiere nach dem Tode nicht 
lange genug in.der Flüssigkeit liegen liess, — 9) Auf das Wund- 
seyn der Finger und Zehen legt er keinen Werth, weil ‚sich 
dieses Zeichen an jeder Leiche findet, welche bis zur eintre- 
tenden Fäulniss im Wasser liegt. Dasselbe gilt. auch von dem 
Runzlichtseyn der Fusssohlen und Handteller. — 10) Das Was- 
ser im Magen kann kein Kriterium geben, da es von der im Ma- 
gen jedes Menschen befindlichen Flüssigkeit nicht leicht zu un- 
terscheiden ist, und nicht bloss von dem lebend in’s Wasser 
Gekommenen verschluckt wird, sondern auch in den Magen’ des 
todt in’s Wasser Geworfenen tritt, — 11) Die Beschaffenheit der 
Harnblase giebt wenigstens ein negatives Kriterium. Bei Jedem, 
der im Wasser stirbt, geht der Harn ab, und die Blase fällt zu- 
sammen. Dies geschieht nun zwar anch bei dem Erstickungs- 
tode; allein aus.der Gegenwart des Harns lässt sich doch we- 
nigstens folgern, dass das Individuum nicht lebend in's Wasser 
kam. — Endlich gedenkt Vrf. auch noch der Möglichkeit, dass 
dem auf andere Weise Ermordeten von dem Thäter selbst Was- 
ser in die,Lunge gespritzt, und er dann in's Wasser gesenkt 
werde, um den Verdacht des wirklichen Ertrinkens zu erregen. 
Vrf. hat deshalb mehrere Versuche angestellt und gefunden, dass 
die eingespritzte Flüssigkeit theil@ von selbst abfliesst, theils 
sich mit leichter Mühe ausdrücken lässt, was bei der einge- 
athmeten nur tropfenweise bis zu einer- bis zwei Drachmen zu 
ermöglichen ist; dass. die eingespritzte Flüssigkeit sich nicht, 
wie die eingeathmete, mit der in der Lunge vorhandenen Luft 
verbindet, sondern dieselbe ‚vor sich her in die äussersten Theile 
der Lunge treibt; dass die vollgespritzte Lunge das Doppelte 
wiegt; die durch das Atlımen vollgefüllte hingegen nur die Hälfte 
mehr, als ihr natürliches Gewicht beträgt. —' Dass der Fötus 
schon im Mutterleibe Athmungsbewegungen mache und von dem 
Schafwasser etwas in die Lunge aufnehme, hat sich durch die 
Versuche unseres Vrfs. nicht bestätigt. Das in der Luftröhre 
zuweilen vorgefundene Schafwasser kann also nicht durch diesen 
Act: dahin gelangt seyn, wofür auch noch andere physiologische 
Gründe sprechen. [Menke’s Zeitschr. f. d. Staatsurzneik, , 1833, 
Hft. 2.} (Y—t.) 
Verlag von Leopold Voss in Leipzig.
	        
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