Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

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IV. Chirurgie. und Ophthalmologie, 
70. drückte er den Fuss ohne Schmerz an feste Körper und 
konnte das Fussgelenk leicht bewegen, und 10 ‚Tage nachher, 
also 11 Wochen nach der Verletzung, trug ihn zum ersten Male 
wieder der Fuss mit Hülfe des Stocks. — Dieser Fall beweist 
somit‘ 1) dass sich ohne. gleichzeitige Abtragung des Wadenbeins 
ein nothdürftiges Fussgelenk bilden kann; 2) dass Substanzver- 
Just bei Resection selbst wo mechanisch keine Annäherung an 
die betreffende Gelenksfläche möglich ist, nicht abschrecken darf, 
da 3) die Natur durch Callusbildung eine dem fehlenden Theile 
entsprechende Masse reproducirt und dann also keine Verkür- 
zung des Gliedes eintritt, endlich 4) dass Resection entschieden 
Vorzug vor Amputation hat, besonders da in solchen Fällen die 
Amputation immer noch nachgeholt werden kann. [Med. Corre- 
spondenzblatt. d. württ. ärztl. Vereins, 1834, Nr. 21.] (K—e.) 
199. Fall eines von einem 4jährigen Knaben ver- 
schluckten Taschenmessers; mitgetheilt vom: Obermedi- 
cinalassessor Dr. PLIENINGER in Stuttgart, Ein 4jähriger mun- 
terer kräftiger Knabe verschlang am 29, Nov. 1830 Abends, als 
er schon im Bette lag, /ein Taschenmesser, mit dem er gespielt 
hatte.. Der Schaft desselben war von Tomback, und es fanden 
sich darauf erhaben gearbeitete Sternchen. Mit eingeschlagener 
Klinge — 80 verschluckte es der Knabe — war es'2 württemb. 
Zoll lang, 4% Linien breit und 1,2% Linien dick. Kurz vorher 
hatte der Kleine sein aus einer Tasse grünen Thee und einem 
Milchbrote bestehendes Abendessen zu sich genommen. Bei Un- 
tersuchung der Magengegend sowohl in stehender, ‘als liegender 
Stellung konnte nichts Auffallendes entdeckt werden: die Ma- 
gengegend vertrug jeden Druck ohne Empfindlichkeit und ein 
fester oder fremdartiger Körper liess sich durch’s Gefühl nicht 
bemerken. .P. liess für den Augenblick süsse Butter in ziemli- 
cher Menge geben und um der Entzündung wenigstens keinen 
Vorschub zu leisten, wurde magere Diät, dünne Suppe, Butter 
u. 8. w. empfohlen, innerlich aber eine Ricinusölemulsion mit 
Kxtr.’hyosc. Nitr, und Syr. mann, verordnet. . Der Kleine schlief 
bald ruhig ein und bekam in der Nacht nur 3 Esslöffel von die- 
ser Mischung. Tags darauf fand ihn P. spielend ausser dem 
Bette: ausser leichten Kopfschmerzen hatte er nichts zu klagen. 
Die Magengegend schmerzte, wenn sie befühlt wurde, nirgends, 
der Unterleib war nicht empfindlich , auch nahm man keine Span- 
nung oder partielle Härte wahr. Appetit war zugegen. Früh 
hatte er Milch getrunken und später ass er mit Lust Butterbrot. 
Der Puls war ganz ruhig, regelmässig. An diesem Tage hatte 
er $ breiartige Stuhlgänge. Abends, war; er gleichfalls munter, 
und es zeigten sich weder örtliche, noch allgemeine Zufälle, 
Die Emulsion wurde wiederholt und sanfte, aber‚andauernde Ein- 
reibungen von Ol. hyosc. coctum in‘ den ganzen Unterleib ge- 
macht, Bis zum 1. Dec. hatte er 2 weitere Stuhlgänge, den 
letzten Morgens 6 Uhr, wobei er klagte, dass er etwas beschwer«
	        
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