Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

IV. Chirurgie und Ophthalmologies 
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Schwächung der Irritabilität im Allgemeinen und des verwunde- 
ten Theils insbesondere. [Med. Correspondenzblatt d, württemöb. 
ürztl. Vereins, 3834, Nr. 19.] (K—e.) 
198. Resection des untern Gelenkkopfes des 
Schienbeines; von Dr. VzıreL in Kannstadt. Kin beladener, 
eine Steige herab in Schuss kommender. Wagen fasste einen 
50jährigen gesunden Mann am rechten Beine, quetschte dasselbe 
an verschiedenen Stellen und renkte den Fuss aus seiner Ge- 
lenksverbindung mit dem Schienbeine so seitlich aus, dass der 
untere Kopf des Schienbeins die Weichtheile durchdrang und an 
der innern Seite des Fusses im ganzen Umfange nackt hervor- 
stand. Der Riss in den Weichtheilen betrug etwa 2 Zoll und 
war gezackt, und die zerrissene Sehne des Musc, tibial. postic, 
und Theile des Kapselligamenis befanden sich in der Wunde. 
Trotz aller Mühe gelang es dem Chirurgen des Orts nicht, den 
luxirten Gelenkkopf ganz zu reponiren, da er immer wieder aus 
der Wunde trat und ein fester Verband der heftigen Schmerzen 
wegen nicht ertragen wurde. Er gab daher die. Repositionsver- 
suche auf, hoffend, sie würden mit Aufhören der entzündlichen 
Spannung der Umgebung eher nützen und bedeckte den Gelenk- 
kopf mit warmen Kräuterumschlägen. Als jedoch V. am 7%. Tage 
das Gelenkende sah, war es bereits missfarbig bläulich, die 
Knorpelhaut rund herum von Kiter zerfressen, alle Gelenksver- 
bindung zerstört und die Gelenksfläche des Sprungbeines. an 
4 Punkten mit erbsengrossen, eiternden Stellen besetzt, während 
das Wadenbein unverletzt geblieben war. — Ein Repositionsver- 
such war hier nicht mehr möglich, da das Fersenbein und somit 
auch das Sprungbein durch die Achillessehne schon so nach hin- 
ten hinaufgezogen war, dass die Gewalt eine übermässige hätte 
seyn müssen. Der Gelenkkopf musste also. mit der Säge weg- 
genommen und der Versuch gemacht werden, ob sich nicht durch 
schnelle Vereinigung der Wunde und Abhaltung der Luft wo 
möglich die Eiterung im Gelenke hemmen lasse. Ein 2 Zoll 
langer Längenschnitt, als Fortsetzung der zerrissenen Wunde, 
legte das Schienbein bloss‘ und einige Seitenschnitte machten die 
Unterlegung eines Schindelstückchens möglich, worauf dann das- 
selbe unmittelbar über seinem: Gelenkskopfe‘ abgesägt wurde. 
Dann wurde die Reposition vorgenommen, die gezackte gerissene 
Hautwunde in eine gerade Schnittwunde verwandelt und die blu- 
tige Naht möglichst passend angelegt. Unter Chamillenbähungen 
mit Wein bekam die Wunde bald ein gutes Ansehen, es erschie- 
nen Granulationen, und mussten auch bisweilen kleine Granula- 
tionen geöffnet werden, so vernarbie sie doch nach 6 Wochen 
völtig. Die durch den Gelenkkopf ‚gebildete Lücke war nach 
16 Tagen schon verschwunden, indem theils das Tibialende durch 
Anschwellung einen halben Zoll grösser wurde, theils Verband 
und Achillessehne das Sprungbein dem verkürzten Schienbeine 
näherten. Am 48 Tage verliess der Kranke die Schwebe, am
	        
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