Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

IV. Chirurgie und Ophthalmologie. _ 357 
erfolgte ohne Störung und ohne mechanische Vorrichtung gegen 
den 8. Tag vollkommen und ganz schön. Schwanger ist die 
Frau des Pat. bisher noch nicht geworden, [Med. Correspon- 
denzblatt d. württemb. ärztl. Vereins, 1834, Nr. 21.}, (K—e.) 
197. Beobachtung eines Falles von Schussver- 
letzung am Unterschenkel; von Dr. SpxztH in Esslingen. 
Am 21. Oct. v. J. wurde ein Schuhmachergeselle von einem dicht 
hinter ihm stehenden Freunde mit einer blind geladenen Muskete 
80 in den rechten Unterschenkel geschossen, dass er augenblick- 
lich zusammenstürzte und nach Hause getragen werden musste. 
Der herbeigerufene Chirurg fand eine grosse gerissene, die äus- 
sere und theilweise hintere Partie des Unterschenkels einneh- 
mende Wunde, die nach oben am grössten, nach unten aber 
Schmäler war. Mehrere Gefässe bluteten und die meist zerstör- 
ten Weichgebilde erschienen als unförmliche Masse. An der Fi- 
bula fand sich 14 Zoll unter dem Capitulum ein Bruch. Fremde 
Körper wurden in der Wunde nicht entdeckt. ‘ Der Verband 
wurde mit in Baumöl getauchter Charpie besorgt und die noch 
gesunden allgemeinen Bedeckungen am untern Theile der Wunde 
mit einigen Heften zusammengehalten.‘ Der Kranke bekam eine 
antiphlogistische Mixtur und zum Getränke verdünnte Schwefel. 
säyre mit Himbeersaft. Der bedeutenden Zerreissung der fibrö- 
sen und muskulösen Organe ungeachtet, mit der unstreitig starke 
Zerrung der Nerven verbunden gewesen war, traten doch teta- 
nische Zufälle nicht ein und bis zum 4. Tage ging. Alles gut. 
An diesem Tage lud der Chirurg 3 Aerzte, und unter diesen S, 
ein, die in ihrer Art merkwürdige Verletzung zu sehen. Der 
obere Theil der Wunde war offen und secernirte stinkende Jau- 
che, die Weichtheile waren mürbe, bröcklig, liessen sich theil- 
weise mit dem. Finger trennen und dazwischen ragien da und 
dort Fetzen abgestorbenen Zellgewebes und tendinöser Theile 
hervor, deren beim Verbande eine ziemliche Portion entfernt 
wurde. Die Hefte am untern Theile der Wunde lagen noch an. 
Man beschloss einen oder zwei dieser Hefte am untern Wünd- 
winkel aufzuschneiden, um dem Wundsecret Ausfluss zu verschaf- 
fen und dann mit Eichenrindenpulver, Digestivsalbe und Arcaeus- 
balsam zu verbinden. Bei jedem Verbande wurden übrigens Ein- 
gpritzungen aus Dec. Chamom. mit Ciceuta und innerlich Inf. 
Caryoph. und Valer. mit Elir. acid. Hall. angewendet. Den 
nächsten Tag fand sich keine wesentliche Veränderung. .Das 
Allgemeinbefinden war erträglich, doch bald fing der Puls zu sin- 
ken an, das Aussehen der Wunde wurde schlechter, der Vor- 
derfuss schwoll ödematös und auch der Oberschenkel nahm an 
der Geschwulst Theil, doch konnten die Zehen noch gebogen 
werden. An den Hauträndern sah man kaum Eiterung, die Se- 
cretion der Jauche war stark, Es wurden aromatische Kräuter 
mit Wein gekocht zu Umschlägen benutzt. Am 6, Tage war der 
Puls ziemlich schwach, doch der Kranke noch bei Kräften und
	        
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