Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

354 IV. Chirurgie und Ophihalmologie, 
den Hautvenen stark war und hier doch alle Ursache zur Blutscho- 
nung sich fand. Es wurde daher nach jedem Schnitte ein in 
eiskaltes Wasser getauchter Schwamm. auf die Wunde, bis die 
Blutung nachliess,- gedrückt und, unter diesem Verfahren die 
Unterbindung nach einer halben Stunde vollendet, Nach gelö- 
stem Tourniquet hörte die Biutung auf, und nun konnte die Wunde 
genauer untersucht werden. Sie fand sich an der innern Seite 
des Ballens des rechten Daumens, war + Zoll lang und mittelst 
Sonde ergab sich, dass sie ihrer Tiefe nach bis in den Zwi- 
schenraum des Os metacarpi indicis und pollicis durchdranz-. 
Glassplitter fanden sich. nicht darin, Der Richtung der Wunde 
nach war es erklärlich, dass auf Unterbindung der Radialarterie 
die Blutung stand. Zweifelsohne war der ‚innere Zweig des Ra- 
mus dorsalis der Arteria radialis, der zwischen dem Os meta- 
carpi pollicis und indicis hindurch in die Hohlhand geht, ver- 
letzt worden. Die vereinigte Wunde wurde mit Ung, digest. ver- 
bunden, über die brandigen Stellen der Oberhant des Vorder- 
arms Ag. Goulard. camphor. aufgeschlagen und bei heftigem Ere- 
thismus im Nervensysteme Infus, flor. Chamom, mit Laud, lig. 
Syd, und Naphth. acet. verordnet. Am :3. Tage sah B. den 
Kranken wieder. Die ursprüngliche Wunde salı gut und secer- 
nirte bessern Eiter; die der Unterbindung wegen gemachte, mit 
Heftpflaster vereinigte: Wunde fing am obern Winkel an sich zu 
vereinigen, an dem noch offenen untern aber, aus dem der Li- 
gaturfaden lief, zeigte sich dicker, guter Eiter. Am 5. Tage 
stellte sich Schüttelfrost ein‘, das Aussehen des Kranken war 
minder gut, der Puls klein, frequent, die Respiration etwas 
beengt, Hände und Füsse kalt, Auch die Wunde. sah schlimmer 
aus, doch sollte an der, Ligatur keine Zerrung geschehen seyn. 
B. verordnete Chinin. sulph. mit Opium, Mittel, die er in der 
Gazre’schen Klinik unter ähnlichen Umständen, namentlich bei 
Schüttelfrost nach Amputationen, . mit günstigem Erfolge hatte 
geben schen... Auch hier nützten sie sichtbar. Der Kranke er-. 
Lolte sich in.den nächsten Tageu ungemein. Beim 4. Verbande 
am 11. Tagen löste sich die Ligatur, die ursprüngliche Wunde 
zeigte schöne Granulationen, die andere war bis auf den Win- 
kel, aus dem die Ligatur ging, vereinigt. Das Oedem der Hand 
hatte sich verloren und die brandigen Stellen am Vorderarme 
waren unter Fortgebrauche der 4g. Goul. camph. geheilt. Pat, 
arbeitet jetzt schon geraume Zeit ohne gestörte Function der 
verletzten Hand als Mühlknecht. [ Med. Correspondenzblatt d. 
württemb. ärztl. Vereins, 1834, Nr. 15.] (K— e.) 
195. Neue Methode, ausgetretene und ‚einge- 
klemmte Leistenbrüche zu reponiren; von Dr. Most 
in Rostock. Vor einigen Jahren hat M. zufällig eine neue Weise 
aufgefunden , , Leistenbrüche, zumal bei jungen Leuten, selbst 
wenn sie 24 Stunden und länger eingeklemmt waren und schon 
40 — 50maliges Erbrechen erfolgt war, schnell und glücklich zu
	        
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