Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

IV. 
Chirurgie und Ophthalmologie, 
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zurücklässt. Diese eiternde Fläche ist.aber eine andere, nämlich 
die einer frischen Wunde, mit der Neigung zu vernarben. . Heilt 
eine eiternde Fläche, so geschicht dies dadurch, dass sich.die 
Gefässe verkleinern. und :sich: dem Durchgange der KEiterkügel- 
chen verschliessen;: der Eiter wird daher dünner. Die bei chro- 
nischen Eiterungen den Eiter absondernde Haut, wie wir sie 
bei der,Fistel antreffen, kann man mit einer Schleimhaut, die sich 
im Zustande der Entzündung mit Erschlaffung befindet, verglei- 
chen, wie z. B. bei. chronischen Trippern. Aus eigner Kraft ist 
die Schleimhaut selten im Stande, zu ihrem Normalzustande zu- 
rückzukehren, weil ihren. Gefässen der Tonus mangelt. Wird die 
äusserste Oberfläche weggeätzt, so geräth die darunter liegende 
Partie in einen gereizten Zustand, welcher die acute Entzündung 
repräsentirt, ‚den .abgestorbenen Theil der Schleimhaut abstösst, 
und eine acute Schleimabsonderung einleitet. Auf diese Weise wer- 
det. die Auflockerungen der Schleimhäute geheilt, wie z, B. bei 
Anschwellung der Bindehaut nach chronischer Augen- und Augen- 
lKderentzündung. Da die Fistel ein Geschwär, nur von eigenthüm- 
licher Form, ist, so:versuchte der Verf. die Aetzmethode mit 
Höllenstein auch hiegegen. .Die Heilung erfolgte,. aber er fand 
sie Jangsamer. ‚Die Gründe findet ‚er im folgenden zwei Mo- 
menten: 1) in der topischen Einwirkung des Heilmittels selbst. 
Die Einwirkung des Höllensteins dauert im Allgemeinen in der Fi- 
stel länger , ‚als auf dem Geschwüre, weil das Mittel schneller von 
letzterm, als aus dem Fistelcanale abfliesst. Aus demselben Grunde 
heilt auch eine Fistel, deren Gang nach oben gerichtet ist, schnel- 
ler, als jede andere; 2) in der Verschiedenheit der Formen von. 
beiden Krankheiten. Dag Wesen beider Leiden ist ganz gleich , .die. 
Form ‚aber verschieden. Die Wände der Fistel liegen einander 
nahe und können. daher leicht mit einander verwachsen, wogegen 
bei dem Geschwüre die, eiternde Haut völlig auf ihrer: Oberfläche 
vernarben, in eine Oberhaut verwandelt werden muss, Von den 
9 Krankengeschichten, welche der Abhandlung folgen, und welche 
die. erfolgreiche Wirkung des angegebenen Verfahrens erweisen, 
heben wir die Heilung einer Kothfistel heraus. . Dem Bauer W. 
wurde ein Leistenbruch operirt, ein brandig gewordenes Darmstück 
sonderte sich indess nach der Operation ab ,: und es entstand eine 
Kothfistel. Nachdem der Kranke schon. von 2 Aerzten behandelt 
worden war, wurde der Verf., im Aug. 1825, hinzugerufen ‚.wel- 
cher den Pat. sehr abgemagert, schwach, am Rande des Grabes 
fand. . Ein früher gebrauchtes Bruchband etc. war nicht geeignet 
gewesen, den unwillkührlichen Kothabgang zu hindern, Kin Satt- 
lermeister fertigte nun ein solches, das seinem Zwecke völlig ent- 
sprach; der Kranke ward dadurch in den Stand gesetzt, den Koth 
nach Willen, sobald er das Bruchband öffnete, zu entleeren, Mit- 
telst längere Zeit angewandter Klystiere gelang es, den Kothabgang 
durch den After, zuletzt selbst ohne Kiystiere, ‚zu bewerkstelligen, 
und so die Fistelöffnung ganz geschlossen zu‘halten. Der hierzu
	        
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