Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

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IV. Chirurgie und Ophthalmologie. 
verengte Stellen, so wird es das erste Mal nur bis an diese 
Stelle geführt; später gelangt man schon weiter, Bei schiefer 
oder winklichter Richtung des Canals kann man eine Incision 
anstellen. Biegt sich bei einem krummen Gange das Bougie um, 
so bedient man sich, um ihm Eingang zu verschaffen, vorher 
eines elastischen Katheters. Nach geschehener, Eröffnung be- 
ginnt die Erweiterung, man’ lässt nämlich das bie auf den Grund 
eingebrachte Bougie liegen, bis es. anschwillt. Ist.der Canal hier- 
durch etwas erweitert, so wählt man ein dickeres und immer 
dickeres Bougie, bis man diejenige Erweiterung bewirkt hat, 
welche erforderlich ist. So lange man nicht sicher ist, den Ca- 
nal bis zum' Grunde durchdrungen zu haben, muss man dies Ver- 
fahren fortsetzen, denn von Application des Heilmittels auf den 
Grund hängt das Gelingen der Heilung ab; von hier muss sie 
ausgehen. Befindet sich auf dem Grunde ein fremder Körper, 
ein Knochenstück, welches die Eiterung unterhält, so muss dies 
entfernt werden. Zur Heilung selbst nimmt man nun ein Bou- 
gie, weiches. dünner ist, als das zuletzt zur Erweiterung be- 
nutzte, um sicher bis auf den Grund zu gelangen, führt es, um 
sich die Richtung des Canals nochmals. zu vergegenwärtigen, 
ohne, sodann aber mit Höllenstein ein. Zu dem Ende wird 
die nun feuchte Spitze des Bougies in feingepulverten Höllen- 
stein eingetaucht und bis zum Fistelgrunde: eingeführt. Nach 
2 Stunden nimmt man es wieder heraus und wiederholt am an- 
dern Tage diese Operation, Hat man 14 Tage diese Bougies 
eingebracht, so hört man damit auf, und die Heilung erfolgt 
nun von dem Grunde aus, : bei mittelmässiger Grösse der Fistel, 
in 3—4 Wochen von selbst. Das Bougie in seiner ganzen Länge 
mit Höllenstein zu umgeben, ist nicht nothwendig, zuweilen nach-. 
theilig. Die Seitenflächen heilen von selbst. Am schnellsten 
heilt die Fistel, welche ihre Mündung in gerader Richtung nach 
oben hat, weil nämlich der aufgelöste Höllenstein nicht so schnell 
als namentlich im umgekehrten Falle abfliessen kann. Theilt 
sich die Fistel in mehre Gänge, so muss jeder Gang nach und 
nach auf die angegebene Weise erweitert werden. Lässt sich 
die Scheidewand zwischen zwei Fisteln ohne Schwierigkeit bis 
auf den Grund spalten, und somit ein Gang aus beiden. bilden, 
80 ist dies stets vortheilhaft, die Heilung wird dadurch im ho- 
hen Grade erleichtert. Chronische Abscesse, welche aus Man- 
gel an Tonus nicht zur Heilung gelangen, lassen sich auf die- 
selbe Art behandeln. Gut ist es, wenn man den Aetzstein oft 
an dem obern Theile des Abscesses ‘applicirt, weil er sich ’von 
da aus, aufgelöst, über den ganzen Umfang der Abscesshöhle 
ergiessen kann. Lymphgeschwülste. dürften wahrscheinlich auf 
diese Weise ebenfalls geheilt werden können. — Der Lapis in- 
fernalis wirkt theils zerstörend, theils reizend. Er zerstört die 
berührte Oberfläche , verwandelt sie in einen Schorf, unter wel- 
chem Entzündung eutsteht, die den Schorf löst, uud KEiterung
	        
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