Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

IV. Chirurgie und Ophthalmologie, 
lichte die schlimmste, weil sie dem Eiter weniger freien Abfluss 
verstattet. Theilt sich die Fistel in mehrere Gänge, so liegt 
gewöhnlich die Ursache davon in Verengerung des einen Gan- 
ges, welcher den. Inhalt der Fistel nicht völlig aufzunehmen ver- 
mag und ihn deshalb zwingt, einen andern Weg einzuschlagen. 
In Betreff. der Prognose, so ist die Fistel im Allgemeinen eher 
ein beschwerliches als gefährliches Leiden zu nennen. Im Be- 
sondern hängt sie von dem Einflusse ab, welchen die Fistel auf 
die’ mit ihr in Verbindung stehenden Theile, und zweitens auf 
den ganzen Organismus ausübt. Mündet eine Fistel in Organen, 
die zur Erhaltung des Lebens von Wichtigkeit sind, wie z. B. 
das Gehirn, Herz etc., so kann das Leben dadurch gefährdet 
werden; bisweilen aber, sobald sie nämlich nicht zu tief ein- 
dringt, der Inhalt einen freien Ausfluss besitzt, und nicht zu 
viel Substanz‘ von jenen Organen unterminirt wird, ist auch eine 
solche Fistel nicht tödtlich. Günstig ist die Erscheinung einer 
Fistel, sobald sie durch einen fremden Körper, welcher sich 
durch dieselbe entleeren will, bedingt wird, denn geschieht‘ dies 
auch nicht, so ‚giebt, sie doch einen Gang ab, durch welchen 
man zu ihm gelangen, und seine Entfernung zu bewirken ver- 
mag. Dasselbe gilt von einem, auf irgend welche. Art losge- 
trennten Knochenstücke. Ferner wirkt die Fistel bei Verschlies- 
sung oder Verengerung eines normalen Canals wohlthätig, indem 
eben sie die Verrichtung dieses Canals übernimmt, und dadurch 
der Anhäufung von Stoffen, welche ausgeführt werden müssen, 
vorbeugt, so bei Koth-, Harnfisteln etc. : Oft bildet die Chirur- 
gie selbst in dieser Absicht Fisteln. Paracentesen, Trepanatio- 
nen sind, ihrem wahren Sinne nach, nichts anders, als künstli- 
che Fistelbildungen. ' Bei Wirkung der Fisteln auf den Gesammt- 
organismus kommen vorzüglich zwei Momente in Betracht: 1) Der 
Reiz, den sie theils als krankhafte Höhle an und für sich , theils 
durch ihren Inhalt und die leichtere Aufnahme innerer und äus- 
serer Eindrücke, auf den Organismus verursacht, 2) der Ver- 
Just der Säftemasse, den sie durch die anhaltende Kiterabson- 
derung bewirkt. Die Fistel reizt einer Seits durch den Substanz- 
mangel, den sie im organischen Baue bedingt, anderer Seits 
durch den Eiter, welchen sie enthält und durchführt. Der Fi- 
stelcanal ist für den Organismus ein fremdes Glied, stört die 
Harmonie der übrigen Gebilde, indem er mechanisch ihren Zu- 
sammenhang, dynamisch ihr Gleichgewicht aufhebt. Der Fistel- 
canal öffnet das organische Gewebe der Aussenwelt und stellt 
es ihren Einwirkungen an einer innern empfindlichen Fläche bloss, 
weshalb sich ein mit einer Fistel behafteter Körper durch grös- 
sere Reizbarkeit und Empfindlichkeit auszeichnet, Ausserdem 
wirkt die Fistel durch ihren Inhalt, den Eiter, auf den Organis- 
mus ein. Lässt sich nun auch nicht mit Bestimmtheit entschei- 
den, wodurch der Eiter den Organismuss afficire, ob dadurch, 
dass er-in das Blut eingehe, oder ob er die Nerven unmittelbar 
348
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.