Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

316 IV. Chirurgie und Ophihalmologie. 
können, nachdem man die blutende Stelle und das Gefäss in 
eine kleine Hautfalte gefasst und diese zwischen die Klemme ge- 
bracht hat. So bleibt das Instrument 24 Stunden hängen, und 
die Blutung kehrt nicht zurück. — Dass solche Kiemme schick- 
licher Weise ’auch von Metall gefertigt werden kann, bedarf kei- 
ner Erwähnung, nur muss sie möglichst klein und leicht seyn. — 
Auf andere Weise stillte Verf. das Bluten der, von Blutegeln 
durchbissenen Ober- Bauchschlagader, wie auch anderer Gefässe 
des Unterleibes, ja selbst der Brust .und des Halses dadurch, 
dass er dem Kranken die entgegengesetzte Lage anwies, als die 
war, in welcher sein Körper sich bei Applicirung der Blutegel 
befunden hatte. Dadurch wird das blutende Gefäss unter die 
allgemeine Bedeckung verschoben, vom’ Zellstoffe : verstopft und 
die Blutung sogleich gestillt. [Med. Jahrb. d. k. k. Österreich. 
Staates, Bd. 15, St. 1,] ; (V—t.) 
193. Beiträge zur Heilung der Fisteln und Ge- 
schwüre; von Dr. GoTTLIEB Cramer, praktischem Arzte in 
Lennep im Regierungsbezirke Düsseldorf. . Die Chirurgie heilt 
eine Fistel, indem sie schneidet, bindet, comprimirt, ätzt, brennt, 
ein Haarseil zieht, einspritzt etc; die ‘Natur verfährt einfach, 
vereinigt aber sämmtliche chirurgische Methoden, sie entfernt die 
Ursache, welche die Fistel erzeugte und unterhält. Zur Ver- 
ständigung der Natur werden folgende Fragen erörtert: ‚Was ist 
eine Fistel? wie erscheint sie uns? wodurch giebt sie ihr Da- 
seyn zu erkennen? Die Fistel ist nun eine neue, mit einer 
Schleimhant bekleidete Höhle, . welche mit dev Aussenwelt in 
Verbindung tritt. Die Natur legt den Fisteln dieselbe Verrich- 
tung auf wie den Schleimhauthöhlen, nämlich eine Materie zu 
leiten, dieser einen Durchgang zu gestatten, und überhaupt ei- 
nen offenen Weg zu unterhalten. Sie sind doppelter Art, tre- 
ten entweder an die Stelle normaler Schleimhautcanäle, wie z. B. 
Urin-, Speichel-, Kothfisteln, oder sind Canäle, welche einer 
krankhaften Materie einen Durchgang verstatien. Erstere gehen 
von dem Canale, dessen Function sie übernehmen, aus, oder 
von dem Organe selbst, aus welchem der Canal’entspringt. Die 
letztern nehmen ihren Anfang da,, wo die krankhafte Materie, 
zu deren Fortleitung sie bestimmt‘ sind, erzeugt wurde. ‘ Die 
Diagnose der Fistel wird durch Untersuchung ihres ,Canals be- 
gründet. Gewöhnlich entsteht die Fistel aus einem Abscesse. 
Die Haut über der geschlossenen Eiterhöhle ist roth, sobald sich 
aber der Eiter entleert, vermindert oder ‚verliert sich die Röthe. 
Ausser dass die Haut über der Fistel bloss roth, oder weisslich 
glänzend erscheint, ist sie geschwollen, schmerzhaft und. hart. 
Als zweites Zeichen der Fistel dient die Fistelmündung. selbst. 
Ist auch die Mündung bisweilen undeutlich, so erkennt man sie 
doch leicht dadurch, dass ihre innere Haut jedes Mal etwas 
vorgefallen ist, wogegen dieser Vorfall bei normalen Schleim- 
hautgängen durch die Sphincteren verhindert wird.‘ Kin drittes
	        
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