Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

28 IL Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
zweiten, nämlich der gegebenen Erklärung zufolge, deshalb, weil 
die Aorta im höhern Grade erweitert war, und anfangs stärker, 
als nachher, indem früher die Bewegungskraft des Herzens und 
der Andrang an die‘ kranken Aortenwände stärker war. Es ist 
vielleicht überhaupt ein hypertrophischer Zustand des linken Her- 
zens und ein starker Anstoss des Blutes eine nothwendige Be- 
dingung zur Erzeugung des heulenden Tones in der Aorta. Nö- 
thiger noch ist aber, dass die Communicationsöffuung frei-ist. 
Bei verengerter Mündung der Aorta, ein Fall, der so häufig bei 
Herzvergrösserungen vorkommt, ist, selbst wenn die Aorta übri- 
gens erweitert gefunden wird, die Erzeugung des heulenden 
Tones undenkbar. Ob dieser Ton auch in Begleitung des ersten 
Herzgeräusches vorgekommen, ist nicht mit Sicherheit anzuge- 
ben. Wenn nun aber anzunehmen ist, dass der heulende Ton, 
welcher anstatt des zweiten Herzgeräusches erklang, in der 
krankhaften Aorta entstand, so ist eben so wahrscheinlich, dass 
dieses, auch im ‚normalen Zustande, an eben derselben Stelle 
entsteht, und deshalb Arteriengeräusch genannt zu. werden ver- 
dient. In den Klappen und Communicationsöffnungen ‚entsteht 
im Normalzustande kein besonderes Geräusch, wenigstens lässt 
es sich von dem ersten und zweiten Geräusche mlicht unterschei- 
den. Bei krankhaften Zuständen entstehen hier das Blasebalg-, 
Feilen-, Raspel- und Sägegeräusch, welche Becker unter dem 
gemeinschaftlichen Namen von Aftergeräuschen zusammenfasst. 
LAEnnec leitete die Aftergeräusche anfangs von Verengerung der 
Orifßcien ab, änderte aber. später seine Ansicht, indem er für 
wahrscheinlich hielt, dass‘ auch sie von Zusammenziehung der 
Herzwände herrührten, zu welcher Annahme er dadurch geführt 
wurde,. dass er oftmals diese Geräusche wahrgenommen hatte, 
ohne dass sich organische Veränderungen in den Orificien vor- 
fanden.: Trotz dem scheint die frühere Ansicht die.richtigere, 
und zwar um so mehr, je unwahrscheinlicher es geworden ist, 
dass die Contractionen des Herzens irgend ein Geräusch verur- 
sachen. Die Aftergeräusche scheinen vielmehr überall durch zu 
enge Communicationswege bedingt zu werden, wodurch theils in 
den Wänden, theils in den: Klappen derselben eigenthümliche 
Schallschwingungen entstehen. Die Verengerung ist entweder 
absolut, durch Krampf und 2) durch Organisationsveränderungen 
der Kiappen und Wände, oder relativ, wie dies der Fall ist, 
wenn die Communicationsöffnung zwar an sich nicht zu eng, die 
Höhlen aber erweitert eind, die Blutmenge sehr gross und der 
Andrang desselben sehr stark ist. In der That kommen auch die 
Aftergeräusche erfahrungsgemäss vor 1),bei krampfhaften Zu- 
ständen des Herzens, 2) bei Verknöcherungen und andern orga- 
nischen Veränderungen der Klappen und Wände,..so wie 3) bei 
erweiterten Höhlen, und dies zwar 1) in Begleitung beider Ger 
räusche, 2). ausschliesslich mit dem ersten, 3) mit.dem zweiten. 
Auch in den Arterien kommen diese Geräusche. vor und müssen
	        
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