Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

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VII Staatsarzneikunde. 
ausser etwas Taubheit, kein organischer Fehler zu finden, und 
Vrf.. glaubt, dass in Folge des Nervenfiebers die Hirnfunction 
gestört war und dass die Person deshalb das Ohrensausen für 
Brandgeläute nahm, Also fixe Ideen können nur dann als Folge 
von Sinnestäuschungen Statt finden, wenn ‚dabei zugleich die 
normale Hirnthätigkeit verloren ging. — Aus dem Ganzen wird 
resultirt: Fixe Ideen stellen sich als mit den chronischen Zu- 
ständen nach der ersten Form von Verrücktheit verbundene Sym- 
ptome dar. Solche Ideen sind oft unheilbar, da sie oft die miss- 
lichsten Gehirnzustände. voraussetzen. Die fixen Ideen nach der 
zweiten Form von Verrücktheit verhalten sich fast eben so. — 
Fixe Ideen nach. Wahnsinn sind nie so finster\,‘ als die nach Me- 
lancholie. Letztere disponiren oft zum Selbstmorde. — Es giebt 
einzelne Menschen mit fixen Ideen, welche, ihrer Thorheit. un- 
geachtet, nicht Resultate der Verrücktheit sind, Menschen, wel- 
che nicht in’s Irrenhaus, sondern in’s Correctionshaus gehören. — 
Es giebt fixe Ideen, welche für arge Verrücktheit sprechen, 
ohne dass diese bei ernstlicher Nachforschung so arg gefunden 
wird. — Fixe Ideen sind oft gut und heilbar, wenn sie nicht 
aus einem gestörten Hirnleben entspringen. Solche Kranke sol- 
len reisen und sich zerstreuen , aber nicht eingesperrt werden. — 
Sinnestäuschungen machen oder helfen nur fixe Ideen machen, 
wenn die geistige Hirnfunction so gestört ist, dass diese Stö- 
rung den Menschen befähigt, jene Täuschung für Realität zu 
nehmen. — Wenn sich Pat. sonst gescheit benimmt, gut, brav, 
fromm, nicht böse erscheint, sich und Andern nicht‘ schaden 
will, so muss man ihm bei jeder fixen Idee Wohilwollen, Nach- 
giebigkeit zeigen, und ihn nicht durch Strenge: reizen, damit 
sein Leiden nicht ärger werde, — Bei fixen Ideen unschuldiger 
Art muss’ dem Kranken alle mögliche Freiheit gestattet werden. — 
Soll nun über das psychische Befinden ein Gutachten eingeholt 
und darnach geurtheilt werden, so hat sich der Richter weder 
um eine Classification der psychischen Krankheiten, noch um die 
Form der Verrücktheit zu bekümmern u. s. w.. X braucht bloss. 
zu erfahren, ob ein Individuum verrückt ist, oder nicht, wobei 
der Arzt sein auf triftige Gründe gestütztes Votum zu ‚geben 
und ferner auszusprechen hat, ob das Individuum heilbar sey, 
oder nicht. Bei der so überaus grossen Schwierigkeit solcher 
Untersuchung für den Arzt muss diesem das Recht zustehen, 
wenn er den Zustand der Zerrüttung anzugeben nicht im Stande 
ist, ein Nescio auszusprechen und sein Urtheil verschieben zu. 
dürfen, zumal wenn er den ganzen Verlauf noch nicht erfor- 
schen kann. ‘ Allein der, in frühern Zeiten gewiss, nicht ge- 
ringe, Einfluss der Namen wird wegfallen, wenn die Rechts- 
pflege sich nicht mehr um gewisse Namen hemüht, (Fortsetzung 
wird versprochen.) [Henke’s Zeitschr. f. d. Staatsarzneikunde, 
1834, Hft. 1.]. (V—t.) 
Verlag von Leopold Voss in Lei;
	        
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