Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

V.. Gynäkologie und Pädiatrik. 
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obigem Zwecke vorzüglich bedungen ‚werden, Das Becken mit 
seinen. mehr oder weniger elastischen Weichgebilden übt dem- 
nach einen thätigen Einfluss auf die rotirende Fortbewegung des 
Kindeskopfes, sdawie dieser wiederum ‚nicht bloss die Rotations- 
fähigkeit, sondern auch. eigene Förderungsmittel zu diesen noth- 
wendigen rotirenden Bewegungen darbietet. Daher muss die 
Geburtszange die rotirende Bewegung des zwi- 
schen ihren Blättern gefassten Kopfes zu obigem 
Zwecke begünstigen, ja selbst bestimmend leiten. — 
Die mechanischen Erschwerungsumstände der Geburt finden sich 
an. dem Kopfe des Kindes oder an dem Becken der Mutter. Der 
Kindeskopf ist zu gross und wird der rotirenden Bewegung hin- 
derlich. Legt man nun eine ‚gewöhnliche Zange nach englischer 
Form: an, deren Blätter in, der Mitte 6 Linien dick sind, so wird 
der Kopf dadurch noch dicker und zu seiner Entwickelung noch 
grössere Kraftanwendung nothwendig... Veberdies werden die 
Zangenblätter beim Durchführen des Kopfes, von den, den Becken- 
ausgang. coustruirenden Knochen so fest. an und in den Kopf ge- 
presst, dass gewaltsame Quetschung, Eindrücke, selbst Fractu- 
ren des Kopfes, blutige Extravasate in der Schädelhöhle, in den 
meisten Fällen Tödtung des Kindes ‚und Verwundung der müt- 
terlichen Genitalien die Folgen davon sind u, 8, W., das alles 
wird dagegen nicht erfolgen, wenn die Zange flach ist, wenig 
Raum einnimmt,. der Form des Kindeskopfes und den Theilen 
der Mutter genau entspricht und die rotirende Bewegung des Ko- 
pfes begünstigt. — Es kann wohl geschehen, dass der Kopf in 
dem verengten Eingange des Beckens eingekeilt wird 
und nur durch die Wirkung der Geburtszange oder durch Weich- 
werden desselben nach erfolgten Tode des Kindes von der Ein- 
keilung befreit werden kann. Wendet man in diesem Falle eine 
Geburtszange mit flachen, sehr schmal oder auch gar nicht ge- 
fensterten, der rundlichen Form des Kopfes entsprechend ausge- 
höhlten Blättern an, so wird allemal das Hinterhaupt zuerst tie- 
fer in die Beckenhöhle herunter rücken und nun der Kopf im 
weitern Vorrücken seine rotirende Bewegung, wie in ganz na- 
türlichen Fällen, mit dem Hinterhaupte gegen den Schoossbogen voll- 
enden, ohne dass die Zangenblätter im Mindesten ihre Lage 
gegen das Becken verändern. Legt man’ dagegen in solchen Fäl- 
Jen eine Zange nach englischer Form mit sehr breitgefensterten Blät- 
tern an, so legt sich ein Abschnitt des rundlichen Kopfes , be- 
sonders das spitzige Hinterhaupt, in das ihm entsprechende 
Fenster, wodurch die rotirende Bewegung und also auch .die 
Veränderung der Lage des Kopfes verhindert und. deshalb ein 
grösserer äusserer Kraftaufwand mit starker Compression des 
Kopfes nothwendig wird, wobei das Kind meistens sein Leben 
einbüsst. — Die Folgen der Verengerung des untern 
Theiles des Beckens sind denen des zu dicken Kopfes gleich, 
nämlich erschwerte oder gänzlich gehinderte- Rotation des Ko-
	        
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