Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

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‚- V. Gynäkologie und Pädiatrik. 
rer zu werden begannen. Sobald es ging, suchte H. mit 2 Fin- 
gern zur Nachgeburt zu kommen, die noch ganz mit dem Ute- 
rus verwachsen war, doch konnte der grösste .Theil- derselben, 
wenn auch mit vieler Mühe, getrennt und weggenommen Wwer- 
den. Die Verwachsung war aber so innig, dass ein Theil zu- 
rückgelassen werden musste. Der entfernte grössere Theil war 
fest, gleichsam flechsenartig und noch frisch. Während dieses 
Verfahrens war die Frau durch den grossen Blutverlust so er- 
schöpft worden, dass man jeden Augenblick den Tod fürchten 
musste. Doch hatten Lösung und Wegnahme des grössten Theils 
der Nachgeburt den Erfolg, dass eich nun keine Blutflüsse mehr 
zeigten... Durch passende Behandlung fand sich Abends die Frau 
so gut, wie man nicht erwartet hatte. Am 2. Tage war sie noch 
etwas fiebernd, sonst aber ohne beunruhigende KErscheinungen, 
Wehen und Blutfluss hörten auf. Am 8. Tage verliess die Kranke 
ihr Bett und arbeitete den ganzen Tag, ‚wobei von Zeit zu Zeit 
die Lochien abgingen. Fünf Wochen später stellten sich von 
Neuem wehenartige Schmerzen und mit diesen bedeutende Blut- 
Nüsse ein, was 5 Tage dauerte und wobei kleine Theile der 
Nachgeburt mit abgingen. Durch den Muttermund konnte man 
jetzt mit der Fingerspitze zu dem noch zurückgebliebenen Theile 
der Nachgeburt kommen, doch nicht so hoch, um ihn entfernen 
zu können. Die Kranke, wurde jetzt wieder hinfälliger und muth- 
loser. Nach diesen 5 Tagen verlor sich der Blutfluss, doch hlie- 
ben Schmerzen. im Kreuze und in der Blasengegend zurück, wo- 
bei sich jedoch die Frau wieder so erholte, dass sie etwas ar- 
beiten konnte. Nach 8 Wochen stellte sich wieder vermehrter 
Blutabgang ein, der vom 13.—24. Aug. bisweilen Tage lang so 
stark war, dass das Blut stromweise abfloss. Ungeachtet leich- 
ier wehenartiger Schmerzen öffnete sich der Muttermund nicht 
im mindesten. Manchmal stand der Uterus hoch, dann wieder 
der Muttermund fast am Eingange in die Vagina. Stand der Mut- 
termund hoch, so war er hart, mehr zusammengezogen und der 
Hals etwas verlängert, stand er tief, so waren diese Theile et- 
was weich und nachgiebig, so dass man immer mit der Finger- 
spitze den zurückgebliebenen Theil der Nachgeburt noch berüh- 
ren kenate. Bei mphrmaligen Versuchen war es unmöglich, die 
künstliche Ausdehnung so weit zu bringen, dass man bis an dep 
obern Theil dieses Rests gelangt wäre. Durch die lange Dauer 
dieses Zustandes waren die Kräfte sehr herabgekommen, die 
Frau war höchst muthlos, hörte nicht mehr auf ärztliche Zu- 
sprache und besorgte, wenn sie sich nur. leidlich fühlte, ihre 
Arbeiten, musste sich aber, wenn sie etwas vermehrten Blutab- 
gang und Schmerzen spürte, in’s Bett legen. Nachdem 4} Mo- 
nat in diesem elenden Zustande hingebracht worden waren, stell- 
ten sich eines Tages wieder Kreuzschmerzen mit starkem Blut- 
abgange ein. Das abgeflossene Blut war theils flüssig, “theils: in 
Klumpen geronnen. Kines Tages fand sich endlich unter dem
	        
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