Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

IV. Chirurgie und Ophthalmologie. : 291 
sack auf dieser Seite grösser war, Kinige Jahre später trat eine 
Variköse Erweiterung der Scrotalvenen hinzu; immer mehr bil- 
dete sich das Uebel aus; es wurde lästiger und. störend für die 
Geschäfte des Kranken; widerstand allen dagegen angewendeten 
Mitteln und bot am 2% Mai 1833 bei der Aufnahme des Kran- 
ken im Hötel-Dieu folgende Beschaffenheit ‚dar: die Haut des 
Hodensacks, besonders auf der linken Seite, war schlaff, er- 
Weicht und von vielen «knotigen, mitunter bis zur Dicke eines 
kleinen Fingers erweiterten Venen durchzogen. Der Hode selbst 
Schien nicht grösser als der der andern Seite zu seyn; an seiner 
lintern Seite aber, am untern Ende des Nebenhoden, entspran- 
Sch Zahlreiche Gefässe, welche gleichsam eine weiche, teigige 
Masse bildeten, dem Verlaufe des Samenstranges bis an den 
Bauchring folgten, und beim Drucke sich verminderten, ohne zu 
Schmerzen, Zwischen diesen Strängen konnte man deutlich ‚das 
Vas deferens an seinem Umfange, seiner Härte und Empfindlich- 
keit erkennen. Ging der Kranke etwas lange, oder stand er ei- 
Mge Stunden, ohne den Hodensack zu unterstützen, so wuchs 
die Geschwulst des Samenstranges beträchtlich, die. Venen die- 
Ser Theile strotzten von Elut, ' und die vermehrte Schwere der 
Geschwulst verursachte längs dem Verlaufe des Samenstranges 
Schmerz... Alle diese. Zeichen, so wie der Mangel irgend eines 
Symptoms einer ‚Hernie oder ähnlichen UVebels, sprachen deut- 
lich für eine variköse Erweiterung der Venen des Samenstran- 
Bes, Anfangs verordnete. man Ruhe und deu Gebrauch äusserer 
adstringirender Mittel; nach Verlauf eines Monats hatten zwar 
die Venen an Umfang eiwas abgenommen, allein nach jeder Be- 
Wegung erlangten sie fast ihre frühere Grösse wieder. Unter 
diesen Umständen beschloss B., eine schon längst gehegte Idee, 
Yämlich ob nicht eine Obliteration der varikösen Gefässe . durch 
Compression das beste Mittel zur Radicalcur sey, .in Ausführung 
ZU bringen. Er liess zu diesem Zwecke kleine, eiserne Pincet- 
ten Machen, die anfangs so construirt waren, dass sie durch die 
Einfache Elasticität ihrer Aeste einen stets gleichförmigen Druck 
Ansübten, später aber so vervollkommnet wurden, dass ihre En- 
den mit Leinwand überzogen oder ausgepolstert und ihre Aeste 
Mit einer Schraube versehen wurden, um willkührlich die Com- 
Pression stärker oder schwächer machen zu können, Die Appli- 
Cation dieser Pincetten wurde nun zuerst an 2 der grössten Scro- 
lälvenen versucht, dergestalt, dass zwischen den beiden compri- 
Mirten Punkten keine beträchtliche Anostomose vorhanden war. 
Die Comprimirte Stelle fing an gelind zu schmerzen,‘ es bildete 
Sich .eine leichte Entzündung, die jedoch durch erweichende Mit- 
tel und Ruhe beseitigt wurde. Nun wurden die Pjneetten, oben 
Sepolstert, zum zweiten Male angelegt; sie verursachten einen 
weit geringern Schmerz; die. allmählich verstärkte Compression 
bewirkte. nun eine Verdünnung der Haut; es bildete sich ein tro- 
“kener Schorf, eine. feste, dünne, Jurchscheinende, a
	        
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