Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

268 1. Pathologie, "Therapie und, medicinische Klinik. 
starker Anstrengung einzelner Muskeln Erschlaffung derselben. 
doch sind auch die Fälle so selten nicht, dass beharrliche Fort 
setzung Solcher Bewegung eine alternative in antagonistischel 
Muskelpartieen und so Fluctuiren zwischen Contraction und EX 
pansion nach sich zieht. So entsteht nach grosser Anstrengun$ 
der Armmuskel zuweilen Zittern im ganzen Arme; so nach Ar 
strengung des Auges oder langer Schlaflosigkeit Zittern des ‚At 
genlides. Der Verf. sicht jetzt täglich einen jungen Menschel 
der früher sich viel ‚im Freien bewegte, jetzt aber sich als Ku- 
pferdrucker verdingt hat, wobei er den ganzen Tag, ja oft die 
halbe Nacht stehen muss. ‘ Seitdem foltern ihn die empfindlich 
sten Krämpfe in den untern Extremitäten, namentlich in den 
Schenkeln und Waden. — Wahrscheinlich hat’ im obigen Falle 
auch noch das Blut nicht unbedeutenden Antheil an Entstehung 
der Krämpfe, das während der einseitigen Bewegung und durch 
damit verbundene Anstrengung in grösserer Menge nach den ar” 
beitenden Muskeln hin- und nicht im gleichem Verhältnisse wie” 
der abgeführt wurde. Zweifelsohne ging die convulsivische Be“ 
wegung hier von einzelnen antagonistischen Muskeln aus, die 
sich gleichsam automatisch zusammenzogen, ohne den sie beherr- 
schenden Nerven .mehr Folge zu leisten. War aber ein Mal 
Missverhältniss zwischen einzelnen Muskelpartieen da, so konnte 
sich dies leicht durch Association ven einer Stelle :zur andern 
verbreiten und die ‚mechanische Reizung der Nerven sich, wie 
bei den verschiedenen Schwingungsknoten einer, tönenden Saite, 
von einem Theile nach dem andern in eben der Ordnung fort- 
setzen, als sie unter einander durch Nervenverbindungen oder 
Verwandtschaft ihrer Functionen in näheren oder entfernteren 
Beziehungen stehen. Wie es freilich kam, dass auf eine so un- 
bedeutende Veranlassung der dem ganzen Nervensysteme dadurch 
gegebene Eindruck beharrlich und gleichsam typisch blieb, 80 
dass die Convulsionen sich nicht in’ einem Anfalle entluden, son- 
dern immer aufs Neue wiederkehrten, bleibt immer schwer zu 
erklären, Doch fehlt es am Analogen weder im Physischen, noch 
im Psychischen und H. erinnert hier nur. an ‘bewahrliche Ein- 
wirkungen mancher Sinnesreize auf Gesichts- und Gehörsinn, so 
‚wie an Festhalten mancher Menschen an gewissen Ideen, des 
am Ende zum Wahnsinne führer kann. UVebrigens ist man j# 
im Erklären anderer periodischen Erscheinungen eben nicht glück- 
licher, wenn auch nicht zu läugnen ist, dass sonst bei convulsi- 
vischen Krankheiten die Ursachen meist weit bedeutender in die 
Verrichtungen des gesammten Nervensystems eingreifen. als es 
hier anscheinend der Fall seyn konnte. Entwickelung einer con- 
vulsivischen Krankheit aus so‘ geringfügiger Ursache bis zur Epi- 
Jepsie und spätere Apoplexie bleibt immer eine Erscheinung, die, 
nach‘ dem, was hier zu erfahren war, gewiss zu den allerselten- 
sten gehört. , Freilich muss man dabei wohl bedenken, dass das 
Uebel bei zweckmässigerer Behandlung‘ wohl ‚schwerlich einen
	        
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