Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

IL Pathologie, Therapie und medicinische Klinik,‘ 267 
stand er plötzlich mit der Aeusserung auf, dass. er nun aufhö- 
ren müsse, weil.er unangenehmes Zucken im Mundwinkel fühle, 
auch fiel den Gästen ‚dies Zucken auf. Nicht lange darauf er- 
griff dasselbe auch die übrigen Gesichtsmuskeln, und als er eben 
Nach einem nicht weit entfernten Tische gehen wollte, um ‚sich 
Zu waschen, stürzte ‚er plötzlich zu Boden. und verfiel in allge- 
meine Convulsionen des ganzen Körpers. Ein Arzt liess sogleich 
Zur Ader, gab temperirende Mittel etc:, worauf die Convulsio- 
nen allmählich nachliessen und der Kranke sich wieder. bis auf 
einiges Gefühl von Schwäche völlig wohl befand. Einige Tage 
darauf kehrten aber die Convulsionen , ‚mit dem eigenthümlichen 
Zucken am Mundwinkel beginnend, :auf’s Neue vermehrt zurück 
und so, mit unbestimmten Unterbrechungen. von 3,4, 8 Tagen, 
mehrmals, Jetzt sah H. ‚zufällig den Kranken, doch ausser dem 
Anfalle, und widmete der Untersuchung der Sache mehrere Stun- 
den. Besonders ‚forschte er mit der grössten Aufmerksamkeit 
Nach Allem, was etwa als prädisponirende Ursache angesehen 
Werden möchte, doch gelang. es ihm nicht ‚im Entferntesten, et- 
was der Art auffinden zu können. Constitution, Lebensweise, 
Diät, ‘geistige Beschäftigungen, gemüthliche Verhältnisse. Ge- 
Schlechtsverrichtungen , frühere Krankheiten, jetziges Befinden etc. 
kurz alles, was nur- entfernt mit dem Ursprunge des Uebels hätte 
in Verbindung stehen können, wurde durchgemustert, aber es 
fand sich durchaus- nichts, ausser der mit dem Pteifen verbun- 
denen fortgesetzten Anstrengung des Mundes und zugleich Statt 
Sefundener Erhitzung des Kopfes. Da die letzten Anfälle von 
Epilepsie nicht eben verschieden gewesen waren, verordnete H. 
Vorläufig 2, Mal täglich 2 Gran Hor. Zine- und einen halben 
Scrupel Rad. Valer. sylv. und rieth. täglich 'ein warmes Chamil- 
lenbad zu nehmen, worauf die Convulsionen nicht nur viel län- 
Ser, aussetzten, sondern auch in vermindertem Grade eintraten, 
ja später versicherte Pat., dass sich die Anfälle wieder bis-auf 
das blosse Zucken: am Mundwinkel vermindert hätten und dass 
er von der milden Frühlingswitterung und von Bewegung In freier 
Luft bald völlige Hülfe erwarte... Später erfuhr H. auf indire- 
tem Wege, dass die Anfälle wieder an Frequenz und Stärke 
Zugenommen hätten und dass der Kranke sich nun homöopathisch 
behandeln lasse: Bei dieser Behandlung kamen die Anfälle bald 
\nmer häufiger und heftiger, bis in einem derselben ‚der Tod 
apoplektisch eintrat. — Was nun die eigenthümliche Entstehung 
der Krankheit, namentlich das Beginnen derselben von. einer‘ un- 
bedeutenden Muskelpartie , von der sie sich. allmählich gleich 
tlektrischer Erschütterung nach allen Radien ausbreitete, anlangt, 
80 gab dazu ohne Zweifel den ersten Impuls lange fortgesetzte, 
Mit Anstrengung verbundene Bewegung der Mundmuskeln, na- 
Mentlich des Orbicularis oris, beim Pfeifen, welcher Muskel in 
der Regel und im gewöhnlichen Leben auf dergleichen anhaltende 
Bewegungen nicht eingeübt ist. Nun folgt aber gewöhnlich nach
	        
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