Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

Ben 
V. Staatsarzneikunde. 
so geistig und körperlich zu behandeln, dass seine Geistesschwäche 
nicht in völliges Irreseyn und Wuth übergehe. — Des Rubri- 
caten 3 unmündige Kinder wurden von Seiten der Curatoren aus 
seinem Hause genommen und nach ihrem Ermessen untergebracht; 
er selbst als Wahnsinniger, als Trunkenbold, als Verschwender 
und als der menschlichen Gesellschaft gefährlicher Mensch wieder 
auf freien Fuss gesetzt. — Ungefähr um dieselbe Zeit, wo seine 
Verhaftung bewerkstelligt wurde, arretirte man seine gemüths- 
kranke Frau, entliess sie aber bald darauf wieder gegen Caution, 
zog sie bald wiederum ein, detinirte sie 4 Wochen lang und steckte 
sie nun 9 Wochen lang in ein mit eisernen Fensterstäben ver- 
sehenes Stübchen. Dies alles geschah ohne Berathung des Ehe- 
mannes, ob er gleich für ihren Aufenthalt’ täglich 16 Gr. zahlen 
wusste. Eben so wurde sie nun ohne sein Wissen in eine Irren- 
anstalt gebracht und daselbst durch Züchtigung zur Folgsamkeit 
angehalten. — Bald nach seiner Freilassung verklagte der Im- 
plorat den Stadtmagistrat und bat, ihn wieder in den Besitz 
seines Eigenthums und seiner Kinder zu setzen. Da der Magi- 
strat, nach diesfallsiger Anfrage von Seiten der Oberpolizeibehörde, 
berichtet hatte, dass Implorat an Verstandesschwäche leide, dem 
Trunke ergeben sey, sich gegen die bürgerliche Ordnung wider- 
setzlich zeige und durch sein Benehmen der öffentlichen Sicher- 
heit gefährlich werde, und für jetzt nicht im Stande sey, sein, 
durch rohe Lebensweise verringertes Vermögen zu verwalten: 
so wurde er mehrmals abgewiesen und erhielt erst nach vielen 
Bemühpnngen den Bescheid, sich, wenn er der Meinung wäre, 
dass der Magistrat bei der getroffenen Anordnung einer Curatel 
ordnungsmässig nicht verfahren sey, darüber bei dem zugestän- 
digen Richter zu beschweren, ‘ Dies geschah, und zwar in Be- 
gleitung eines Attestes von dem Berichterstatter, worin dieser 
sagt, dass er den Imploraten seit 8 Tagen öfters gesehen, und 
mit ihm die verschiedenartigsten Gespräche geführt habe, ohne 
die geringste Geistesstörung an ihm wahrgenom- 
men zu haben, — Die Klage wurde von der Justiz - Canzelei 
angenommen. Gleichzeitig präsentirte Implorat ein Notariats-Docu- 
‚ment, in welchem 51 Zeugen aus Q. sich bereit erklärten, eidlich 
zu bekräftigen, dass sich Implorat vor der vom Magistrate über ihn 
angeordneten Curatel nie unvernünftig betragen und auch jetzt noch 
keine Beweise von Unvernunft oder Unklugheit gegeben; dagegen 
sich der bürgerlichen Ordnung nicht widersetzlich gezeigt oder 
die öffentliche Sicherheit gefährdet habe; dass er weder dem 
Trunke ergeben, noch Verschwender seines Vermögens sey. — 
Dem Wunsche des Sachwalters gemäss wurde Dr. B. veranlasst, 
mit dem Berichtersatter gemeinschaftlich den Gemüthezustand 
des Imploranten zu begutachten, Sie fanden seine Vorstellungen 
mit den Objeceten im Einklange, sein Gedächtniss treu, seine 
Phantasie nicht exaitirt und sein gesammtes intellectuelles. Leben 
seinem Stande gemäss ausgebildet u, s. w., und beide Aerzte sind
	        
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