Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

IV. . Gynäkologie und Pädilatrik. 
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chen, sondern ganz munter, das Tuch aber, womit man das Aus- 
gebrochene aufgefangen, Hess über sehr reichliches Blutbrechen 
nicht zweifeln. Wie das Kind, so befand sich auch die Wöch- 
nerin, die jetzt das 4. Mal geboren, so weit ganz wohl, klagte 
aber über ziehenden Schmerz in der linken, dem Aeussern nach 
ganz gesunden‘ Brust. Die früher ziemlich reichlichen Lochien 
hatten‘ sich nach Gemüthsbewegung am Tage vorher etwas, doch 
nicht bis zum Aufhören vermindert, die Haut war aber vom An- 
fange bie jetzt sehr thätig gewesen. Die aus der rechten Brust 
gezogene Milch war ganz normal, die linke lieferte hingegen 
Blut, das von beigemischter Milch eine Mennigfarbe zeigte. ‚B. 
liess auf die kranke Brust ein Ziehglas legen, auch ein Klystier 
geben, das Kind aber von Zeit zu Zeit an die Brust legen und 
den von der Wöchnerinn bisweilen genommenen Fenchelsamen- 
thee aussetzen. Nach und nach stellten sich die Lochien wieder 
etwas reichlicher ein und in demselben Verhältniss verlor sich 
die rothe Farbe der Milch, so dass diese nach 12 Stunden. wie 
gewöhnlich sah. Da das Kind durch Erbrechen die blutige Milch 
hinlänglich ausgeleert hatte und sich sonst wohl befand, so be- 
kam dasselbe keine Mittel... — Das Blutbrechen bei neugeborenen 
und saugenden Kindern’ kann zunächst einen doppelten Grund 
haben: eutweder liegt er im Kinde, was jedoch nur höchst sel- 
ten seyn möchte, und dann rührt es von scharfen Substanzen, 
Mechanischer Verletzung , scorbutischer Dyskrasie etc. her und 
lässt den Arzt über die Diagnose nicht lange in Zweifel, oder 
die Ursache liegt in der Stillenden. Liegt, was der bei weitem 
häufigste Fall ist, die Quelle des vom Kinde ausgebrochenen 
Blutes ausserhalb desselben, so ist die Ursache abermals zwie- 
fach: entweder entspringt das Blut aus der Brustwarze,: oder €s 
rührt aus der Brust selbst her, wozu Entzündungen, Abscessbil- 
dungen, aber auch Secretio lactis sanguinolenta die Veranlassung 
geben. Blutige Absonderung der Milch kann von Scorbut, gro- 
ben Diätfehlern, Genuss giftiger Substanzen herrühren, beruht 
aber bei Wöchnerinnen fast immer auf verminderten Lochien, 
Sind die Lochien im Allgemeinen nur gering, oder nur im gerin- 
gen Grade vermindert, so wird, wegen des besonders nach der 
Geburt vorkommenden Uehergangs des Consensus zwischen Ute- 
rüs und Brüsten in deutlichen Antagonismus dieser Organe, leicht 
Zu vermehrte Thätigkeit in den Brüsten erfolgen, die bis zu Ab- 
Ronderung bintiger Milch, besönders in den ersten Tagen nach 
der Niederkunft, aber auch bis zu Entzündung der Brüste steigen 
kann, während plötzlich unterdrückte. bis dahin stark vor sich ge- 
hende Lochien mehr Entzündungen der verschiedensten Organe 
bewirken. Absonderung blutiger Milch aus dieser Ursache wird 
besonders dann eintreten, wenn die Brüste schon an und für sich 
Freichlich Milch absondern und wenn zugleich durch Galaktophora, 
zu denen Fenchel allerdings gehört , die Thätigkeit der Brüste ver- 
mehrt wird. Beides fand sich im erwähnten Falle. — Die Zeichen
	        
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