Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

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1V. Gynäkologie und Pädiatrik. 
wenig und undeutlich eingekerbt, und das Corion bis an die 
Fetthaut zerstört. — Im Innern‘ des Leichnams fand sich nichts 
Bemerkenswerthes. — der Umstand, dass nur wenige und nur 
die kleinsten Pusteln mit verdickter, eiterartiger. Masse gefüllt 
und von der Epidermis verschlossen, die meisten aber von jener 
entleert und von dieser entblösst waren, lässt mit Grund auf das 
beginnende Austrocknungsstadium des‘ Exanthems schliessen und 
setzt einen 19 — 14tägigen Verlauf der Krankheit voraus. Wäre 
der Embryo gleich nach seinem Absterben geboren. worden, 80 
wäre das Fruchtwasser nicht so trübe und übelriechend gewesen 
und es würde sich wenigstens hin und wieder die Oberhaut 
über den Pusteln am Rande der Geschwüre geborsten gefunden 
haben. Am 6. April stellte sich ein Schauer und den 9. vu. 
10. Apr. ein heftiger, einen Abortus verkündender Schüttelfrost 
ein. Ohne Zweifel starb das Kind in dieser Zeit ab und ruhte 
also noch 74 Tag im mütterlichen Schoosse. Der verhinderte 
Zutritt der atmosphärischen Luft hemmte die Fänlniss, von der 
sich nur wenig Spuren vorfanden. — Rechnen wir zu dem 10 
— 14tägigen Verlauf der Krankheit noch den Aufenthalt des 
todten Embryo im Mutterleibe von 74 Tag, so war die Krank- 
heit ungefähr den 21. Tag vor der Entbindung entstanden, d. 3. 
in den letzten Tagen des Märzes. Die Mutter hatte den 13, März 
das erste Fieber bekommen und bis zum 2%. M. waren die Po- 
cken ia volle Eiterung getreten. Hier also, in der grössten Aus- 
dehnung der Krankheit, musste der Fötus durch die kranke Mutter 
angesteckt worden seyn. Anfangs Aprils hörten die Bewegungen des 
Kindes auf, also zur Zeit, wo die Eruption des Exanthems schon 
erfolgt seyn musste: — Verf. schliesst mit folgenden Corollarient 
1) Die Contagien wirken wie der befruchtende Samen ir distans, 
ihre Wirksamkeit erstreckt sich über das materielle Substrat hin- 
aus. Im lebenden Organism wird das, was den Krankheitssamen 
sonst abhält und zerstört (nervenlose Haut, Fruchtwasser, orga- 
nisch assimilirende Thätigkeit u. s. w.) zum Leiter. 2) Die Em- 
pfänglichkeit für die Pocken findet sich auch in den frühesten 
Zuständen des Lebens. Zeitliche und räumliche Form der Krank- 
heit ist. auch im Fötus dieselbe, wie sie im spätern Alter er- 
scheint, 3) Die unvollkommenere Athmung und das’an Oxygen 
ärmere Blut des Embryo verhindert weder das Knstehen von 
Entzündungen, noch die Entwickelung fieberhafter Krankheiten. 
4) Die Pocken sind, 'wie alle acuten Exantheme, Athmungskrank- 
heiten. Nur daraus ist erklärlich, wie die athmende Haut des 
Fötns bei noch unvollkommener Ausbildung des Gefässsystems 
in ihrer ursprünglichen Function krankhaft ergriffen werden kann. 
{ Med. Jahrb. d. k. k. österreich. Staates. Bd. 14. St. 4] (Vgt.) 
134. Ueber das Blutbrechen (Haematemesis 
spuria) bei neugeborenen Kindern; von Dr. BERTHOLD 
in Göttingen. Kin Stägiges, bis dahin ganz gesundes Kind hatte 
plötzlich Blut gebrochen. B, traf das Kind nicht mehr im Bre-
	        
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