Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

IV. Gynäkologie uud Pädiatrik. 
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nicht allein oft nicht erreicht, sondern wobei auch manchmal ein 
oder wohl auch ein doppeltes Leben vernichtet wird. — Vergleicht 
man die Resultate der künstlichen oder zufälligen Frühgeburten miß 
denen des Kaiserschnitts, so muss man Zwar zügestehen , dass bei 
den ersteren nicht überall und in allen Fällen ‚das Leben der 
Kinder gerettet worden und in vielen Fällen nicht zu retten ist. 
Man darf aber dabei nicht überseben, dass dies eigentlich doch 
nur von der Lage des Kindes zur “Geburt- abhängt und dass die 
Frühgeburt mit andern schweren Zangen- und Wendungsgeburten 
in gleichem Verhältnisse steht; denn auch durch diese Operationen 
werden nicht alle Mal die Kinder gerettet und am Leben erhalten. 
Betrachtet man dagegen die Angst und Furcht vor, die Schmerzen 
während und den lebenegefährlichen Zustand nach dem Kaiser- 
schnitte, vergleicht man die Fälle der mit und ohne glücklichen 
Erfolg unternommenen künstlichen Frühgeburten mit jenen der 
glücklichen und unglücklichen Kaisergeburten, so findet man, dass 
von ersteren die Zahl der gereiteten Mütter ungleich viel grös- 
ser ist, als der nicht geretteten, dass dies Verhältniss aber bef 
letzteren umgekehrt ist, weshalb man: wohl behaupten könnte, 
dass die künstliche Frühgeburt in geeigneten Fällen ‚nicht ‚allein 
Vortheilhafter , sondern ‘auch noch nicht genug angewendet wor- 
den ist. Dem Verf. sind mehrere Fälle vorgekommen, bei wel- 
chen unverehelichte Schwangere die Frühgeburt künstlich be- 
wirkten, aber er weiss von keinem Falle; der für die Mutter 
unglücklich abgelaufen wäre. Wendete man hierauf ein, dass 
wohl höchst selten, oder.nie- ein abnormes Becken vorhanden 
gewesen seyn möge und also der glückliche Ausgang von diesem 
günstigen Umstande abzuleiten sey, 80 ‘darf man nicht verges- 
sen, dass mehr oder mindere Lebensgefährlichkeit der Geburten 
im Allgemeinen, sowohl bei ‚engem, als weitem Becken, meis$ 
von‘ andern Zufälligkeiten abhängt und dass die Geburt eines 
%-—8monatlichen Fötus, hinsichtlich seiner Grösse und Biegsam- 
keit der Schädelknocheny bei Beckenweite von 21—3 Zoll, 
Nicht schwieriger seyn könne, als die eines reifen, ganz ausg®- 
tragenen Kindes mit grossem. Kopfe und :harten unbiegsamen 
Schädelknochen. Glücklicher, oder unglücklicher Erfolg hängen 
Ruf kindlicher Seite nur von regelmässiger Kindeslage und nor- 
malem Geburtsverlaufe, auf mütterlicher aber von. Kränklichkeit, 
grosser Körperschwäche, heftigen Krämpfen und andern Krank- 
beitsformen und Zufällen ab. — Der Verf. hofft, dass man; in- 
dem er sich hier weitläufiger über Frühgeburt ausspricht, nicht 
Slauben werde, dass Eingenommenheit oder vorgefasste Meinung 
für künstliche Frühgeburt oder zu 87088e Aengstlichkeit und 
Schüchternheit gegen den Kaiserschnitt ihn nach 32jähriger Pra- 
Xie bestimmt hätten, erstere in Schutz zu nehmen oder anzu- 
Empfehlen, und den letztern jedes Mal und ‘wo möglich abzura- 
then oder zu verwerfen,; sondern dass man sich‘ überzeugt hal- 
fen werde, dass er das mittheilen würde, was ihm, iurch‘ viele
	        
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