Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

206 . I; Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
Schmerzanfälle häufiger und heftiger wurden; übrigens ware? 
alle Fanetionen in Ordnung. Blutentziehungen und Diaphoretic® 
halfen nichts; die Acupunctur schien Milderung, aber nicht reelle 
Besserung zu bewirken. Man bestrich den Hodensack mit Kreosot“ 
wasser und liess ganze Bäder mit Salz nehmen, aber ohne Er- 
folg, eben wie die Blausäure und das essigsaure Morphium, auf 
endermatische Weise auf die Leistengegend angewendet, Man 
verband diese wunde Stelle mit Kreosot- und Morphium-Salbe® 
und gab innerlich kohlensaures Eisen, worauf die Anfälle nach 
3 Wochen seltener wurden, bis jetzt aber noch nicht ganz aus“ 
geblieben sind. [Med, Zeit, v. d. Ver, f. Heilk, in Preuss, 183% 
No, 18.] (Fr.) | 
114. Tödtlich verlaufener Trismus und Teta- 
nus gastricus; von A. L. Rıchrer. - Ein kräftiger Jüngling 
von 18 Jahren, Tambour,- konnte seit gestern. den Mund ‚nicht 
öffnen. Oben konnte man noch die Spitze eines Fingers zwi“ 
schen die Zähne bringen; die Masseteren waren hart und ge 
spannt, das Allgemeinbefinden nicht gestört, jedoch war der Ge- 
schmack schlecht, und statt des Appetites hatie Patient Neigung 
zum Erbrechen. Ein gereichtes Emeticum erregte viermaliges 
Erbrechen, ohne im Befinden des Patienten was zu ändern. Man 
verordnete ein warmes Bad, eine Mirtura diaphoretica mit zwei 
Drachmen Salmiak und zwei Gran Brechweinstein, und, wegen 
3tägiger Verstopfung, ein Klystier. | Nach einer sehr unruhigen 
Nacht und nach mehrern ergiebigen Stuhlgängen entwickelte sich 
den 3. Tag:ein Tetanus universalis in der Form des, Opistho- 
tonus. Man brachte jetzt in Erfahrung, dass Patient, ein sehr 
Jeichtsinniger und liederlicher Mensch, sich des Nachts oft um- 
hergetrieben und stets viel gefressen habe. Es wurden nu 
zur Beseitigung der Congestionen nach dem Kopfe 16 Unzen 
Blut gelassen, noch ein Klystier gegeben, ein warmes Bad ver- 
ordnet, in welchem Patient 4 Stunde bleiben musste, und die 
Tinct. op. in steigender Gabe gereicht. Man begann mit 5 Trop- 
fen, stieg um so viel jede halbe Stunde, so dass bis Abends 
9 Uhr eine Unze. consumirt worden war und Narkose eintrat. 
Diese wurde durch starken schwarzen Kaffee und durch Eissig- 
klystiere beseitigt, worauf abermals Stuhlgang erfolgte, in wel- 
chem unverdaute geschrotene Getreidekörner u. dgl. enthalten 
waren. In der Nacht (zum 22. Octbr.) hatten die Krämpfe et- 
was nachgelassen und waren nur halbstündlich gekommen, wäh- 
rend sie des Tags alle 3 — 5 Minuten eintraten. Am Morgen 
kehrten sie mit erneuerter Heftigkeit zurück, wozu sich eine 
besonders lästige Constriction in der Gegend des Zwerchfelles 
gesellte. ' Bis zum Todestage, dem 27%. October, also 6 Tage nach 
dem Ausbruche des Tetanus, wurde die Opiumtinctur in steigen- 
der Dosis bis zum Eintritte der Vergiftungszufälle (die auf obige 
Weise beseitigt wurden) gegeben, ein Kalibad verordnet; in das 
Rückgrath, die Backen und Halsgegend' alle :2 Stunden 2 Drach-
	        
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