Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

202 I, Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Eis im Munde schmelzen , worauf bald die Blutung stand. Alle 
Wärme wurde vermieden, die halbsitzende Lage im Lehnstuhle 
beibehalten, mit Schneeumschlägen und mit dem Eise fortgefah- 
ren und.zuweilen ein warmes Fussbad, dünne kühlende Diät und 
Dec. erystall. tart. mit Syr. Rib. zum Getränk verordnet. Nach 
36 Stunden begann die Blutung mit neuer Heftigkeit. Der Kranke 
hatte sich unterdessen ziemlich erholt, fing aber nun an, über 
Schwindel, Ohrensausen ‚und , Verdunkelung der Augen zu klager 
der Puls wurde klein,. zitternd und 'das Gesicht verrieth Angst 
Die letzten Verordnungen wurden beibehalten, die ganze Mund- 
höhle so mit Wachs ausgefüllt, dass die Luft nur durch die Nas® 
dringen konnte und beide Kiefer mit einer Binde fest aufeinan“ 
der gehalten, 80 dass sie durchaus nicht bewegt werden konnteP- 
Die Nahrung bestand in Fleischbrühe mit Eigelb; die theelöffel 
weise.zwischen die Lippen gegossen wurde und auch bei diesem 
Verbande‘ hinuntergebracht werden konnte. Die Blutung stand 
nun 90 Stunden, während welcher. der Kranke sich wieder etwaß 
erholt hatte, dann aber fing sie wieder heftig an. Nun schritt 
8. zur Anwendung des glühenden Kisens. Er berührte damit 
die Zahnhöhle und fast das ganze Gaumengewölbe und fuhr mit 
den genannten Mitteln fort, worauf die Blutung 12 Stunden auf- 
hörte, dann aber sich wieder einstellte.- Das Glüheisen wurde 
so 13 Mal angewendet und in der frühern Behandlung nichts 
geändert, bis die Blutung nicht mehr wiederkehrte. Die Brand- 
schorfe sonderten sich ‚ohne Nachtheil ab, nachdem das Gaumen- 
gewölbe schon wieder neu bedeckt war., Die Blutung hatte so- 
nach mit‘ abwechselnden Unterbrechungen über 5 Wochen fort- 
gedauert, und die kürzesten Zwischenräume in den ersten 14 Ta- 
gen Statt gefunden. Ruhig hatte übrigens der Kranke alles ge- 
duldet, bei der öftern Anwendung des Glüheisens nicht ‚einmal 
gezuckt und über 6 Wochen lang.in einem sehr kalten Zimmer 
in halbsitzender Lage in einem Lehnstuhle zugebracht, während 
ununterbrochen Tag und Nacht Schneeumsechläge. und adstringi- 
rende Mittel gebraucht worden waren. Nach dieser Zeit liess 
der Verf. den Kranken wieder. Nachts in .kaltem Zimmer im 
Bette liegen, verdünnte Schwefelsäure und dann noch eine Zeit 
lang Alaunmolken nehmen, gehörige Diät und. Ruhe beobachten, 
angemessene Bewegungen in freier Luft vornehmen und in der 
achten Woche mehr ausgehen. . Die rothe Gesichtsfarbe kehrte 
erst nach mehreren Monaten wieder. — Was. die Familie .des 
Kranken anlangt, so ist diese: den Blutern zuzurechnen. Die 
Mutier, eine 62jährige, stark. belcibte Frau,. die ‚in ihrer Jugend 
an oft schwer zu stillendem‘ Nasenbluten gelitten und ihre .Pe- 
riode regelmässig, doch nicht übermässig stark, bis in das ö6. 
Jahr gehabt hatte, bekam vor. einiger Zeit-eine starke Halsent- 
zündung, wogegen S.Bliutegel. verordnete, die ‚aber der Chirurg 
nicht setzen wollte, weil er nach dem, was er von früher her 
von dieser Frau wisse, fürchte, die Nachblutung nicht stillen zu
	        
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