Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

174 IV. Chirurgie und Ophthalmologie, 
verschfedenartigsten Ausdünstungen, in Luftverderbniss. und in 
andern, daselbst nicht zu ändernden Verhältnissen seinen Grund 
hat. Gemüthsbewegungen, welche auf die Gallensecretion wir- 
ken, disponiren eben so zur Kopfrose, wie die Trunkenheit, zu- 
mal wenn die Kopfverletzung während- dieser Zustände heige- 
bracht wurde. — Wenn nun diese äusserst gefahrvolle Krank- 
heit eintritt, so hat man nach vielfältiger Erfahrung beim Cur- 
verfahren folgende Cautelen zu beobachten. 1) Aderlass kann 
pur in höchst seltenen Fällen bei plethorischen, zu Schlagflüs- 
gen geneigten Menschen mit äusserst hartem, schnellem und vol- 
lem Pulse, und selbst dann nur in geringer Quantität und erst 
nach bewirkter Ausleerung des Unterleibes gemacht werden. Nach 
nicht angezeigter und doch vorgenommener, wie auch nach zu 
reichlicher Blutentziehung tritt ein ausserordentlicher Schwäche- 
zustand ein, die Krankheit nimmt schnell den nervös- faulichten 
Charakter an, ‚die Rose weicht schnell von der äusseren Hant: 
es erfolgen Ausschwitzungen in den Gehirnkammern, alle erysie 
pelatösen Theile werden gangränös und ‚der Tod ist unvermeid- 
lich. -2) Sobald sich der Rothlauf zeigt, müssen alle nassen Fo- 
mentationen augenblicklich. wegfallen und kühle, besonders Zug- 
Luft muss abgehalten werden, widrigenfalls die vielleicht noch 
oberflächliche Rose auf das Gehirn springt. 3) Blutegel — und 
zwar gleich .15—20 Stück — setze man, wenn die Gesichtsrose 
ein deutlich ausgesprochener Zrysipelas phlegmonodes , weit aus- 
gebreitet, der Kopf sehr eingenommen, das Gesicht sehr hoch- 
roth, stark geschwollen und besonders in der Gegend des Musc. 
temporal. sehr gespannt ist, hinter das Ohr, längs des Halses, 
oder an das Hinterhaupt bis. in die Nackengegend; bei gleich- 
geitigen Hämorrhoidalbeschwerden aber an die Lenden- und Hei- 
ligenbein- Gegend. 4) Man gebe ein Emeticum, wenn häufige 
UVebelkeiten und immerwährender Reiz zum Erbrechen dazu auf- 
fordern und wenn das rechte Hypochondrium nicht merklich auf- 
getrieben ist. Durch die so bewirkten Ausleerungen ‘wird die 
Leberkrankheit im Keime erstickt und die Gesichtsrose verschwin- 
det ‘in Kurzem, Nicht selten wird eine zwei- bis dreimalige 
Wiederholung des Brechmittels in einigen Tagen nöthig, jedoch 
müss der Andrang des Blutes nach dem Kopfe zuvor durch Blut- 
egel,” die an den Hals, noch besser an die Lendenwirbeigegend 
gesetzt werden, und durch ‚einige Salzklystiere beseitigt werden. 
5) Fehlen die Anzeigen zum Brechmittel, so kommt man nicht 
so schnell zum Ziele. ‘Man hüte sich aber, den Durchfall und 
die Ausleerung galliger Stoffe zu hemmen; im Gegentheile, die- 
ses Bestreben der Natur muss durch Gramen, Tararacum, Sul- 
fas magnes., Cremor tart., und Tart. stib. in refracto dosi un- 
terstützt werden. Gleichzeitig applicire man solvirende Klystiere. 
[ Med. Jahrb. d. k. k. österr. Staates, Bd. 14, St. 4.)  (V—t.) 
“ 95. Fracturae ossium cranii; von Dr. BEUTTENMÜL- 
zer in Weilheim a. d; Teck, Am 5. Sept. v. J. zog sich ein
	        
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