Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

172 IV. Chirurgie und Ophthalmologie. 
zund entlassen; aber W. klagte. am 29, Mai (die Verletzung war 
am 16, geschehen) über Uebelkeit, Aufstossen, Ekel und hefti- 
gen Kopfschmerz. Ausser Fieberbewegungen, Unruhe und gros- 
ser Hitze, zeigte ‚sich an der linken Schläfe- und Gesichtsge- 
gend eine nicht genau begrenzte, inflammatorisch geröthete Ge- 
schwulst, welche ‘gespannt und bei der Berührung schmerzhaft 
war. Man liess die Fomentationen weg, und applicirte zehn 
Blutegel auf die Geschwulst und Zugpflaster auf die Waden und 
Fusssohlen: Bei der Vermehrung der üblen Zufälle wurden den 
80. Mai nochmals zehn Blutegel gesetzt, die Sinapismen repetirt, 
ein Vesicans in den Nacken gelegt, und innerlich ein ‚Solv. mit 
Sulphas magnes. mit 1 Gran Tart. stib., wie auch noch clys- 
mata solvent. verordnet. Am 31. Mai war die Geschwulst grös- 
ser, weicher, fluctuirend, reichte von der Wunde bis an die 
Parotis, welche aufgelockert, weich und schmerzhaft war; sie 
erstreckte sich eigentlich über das ganze Gesicht, und wenn 
man auf die Gegend des Musc, temporal. drückte, so floss dünne, 
grünliche und übelriechende Jauche ab. Der Kranke delirirte, 
hatte einen gespannten, schmerzhaften Unterleib und starb am 
3. Juni apoplektisch. Die Ursache dieser Verschlimmerung war 
ein heftiger Zorn gewesen, worauf Pat. eine Menge heimlich 
genossener Fleischstückchen ausgebrochen hatte. Section: Un- 
ter dem Temporalmuskel fand sich jene Materie, welche sich 
in die aufgelöste Parotis bis gegen den untern Unterkieferrand, 
ferner bis auf und unter die Dura maier und in die Windungen 
und Kammern der linken Gehirnhälfte gedrängt hatte. Das Ge- 
hirn war an dieser Seite. mürbe, missfarbig, fast macerirt; die 
Leber aufgelockert, mürbe, gelb, missfarbig und an der Ober- 
fläche mit kleinen Eiterdepots versehen. — Vermittelst eines 
Bierglases hatte ein 26jähriger kräftiger Bursche an der Nasen- 
wurzel eine Contusion bekommen, ohne. Wunde und ohne Kno- 
chenverletzung. Am 3. Tage. war das ganze Gesicht erysipela- 
tös geschwollen, und dabei Gastricismus vorherrschend. Kin 
Brechmittel, eröffnende Klystiere, Vesicatore auf die Waden und 
in den Nacken, nach dem Erbrechen zehn Blutegel hinter das 
Ohr mit dreistündiger Nachblutung u. s. w. stellten den Kranken 
bald wieder her, — ‚Win kräftiger Mann von 48 Jahren, dem 
Trunke ergeben, hatte den 27%. Juli im Fallen eine kleine ge- 
rissene Hautwunde und eine unbedeutende Abschärfung an der 
Stirn erhalten. Er suchte erst am 15. August ärztliche Hülfe; 
nachdem er seine Wunde mit kalten Umschlägen behandelt hatte. 
Die Wunde war jetzt grössten Theils geheilt, die Hautabschär- 
fung ganz und am Schädel war nichts Krankhaftes zu entdecken; 
aber Gesicht und Hals waren erysipelatäs angeschwollen, be- 
sonders die Schild -, Ohrspeichel- und Unterkiefer-Drüsen, und 
die Gegend des sehr gespannten Musc. temporalis. Patient war 
unruhig, schrie auf, delirirte;, schnappte nach Luft u. s. w. Der 
Unterleib war gespannt, hart; das rechte Hypochoudrium aufge-
	        
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