Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

‚IL Pathologie, Therapie und medieinische Klinik, . 159 
men, dass alle hier ‚namhaft gemachte Kranke nicht auf gewöhn- 
liche Weise durch. unreinen Beischlaf, sondern durch zufällige 
Berührung mit dem an allgemeiner Lues leidenden J. Kr. angesteckt 
worden sind. Dafür spricht nicht nur, dass die Krankheit sich 
gerade in mehreren. Häuserıt, wo sich dieser anfgehalten, und 
in diesen Häusern wieder bei verschiedenen Subjecten, ja an 
mehreren Stellen sogar bei Kindern, bei denen Verdacht der 
Ausschweifung in Venere von selbst ganz wegfällt, gezeigt hat, 
sondern den grössten Beweis für diese Annalıme scheint gerade 
die Form zu liefern, in der die Syphilis bei allen diesen Kranken 
auftrat. Bei Allen wurde nämlich zuerst die äussere Haut afficirt, 
mag sich dies Hautleiden- nun als Exanthem, oder in Form con- 
dylomatöser Excrescenzen aussprechen. Als secundäre Erschei- 
nungen der Syphilis zeigte sich dann bei Allen Affection der 
Schleimhäute, meist als Ul/cera faucium, in einigen Fällen jedoch 
auch als Entzündung der Schleimhaut der Vagina, so bei A. M. La. 
und bei C. R., oder als Affection der innern Membran der Harn-ı 
röhre, wie bei dem Knaben H. H. Sehr interessant sind in dieser 
Beziehung auch die beiden erwähnten Fälle, wo die beiden Kin- 
der J. T. und A. T. bloss ein Exanthem bekamen. In Hause 
dieser Kinder hatte J. Kr. mit dem Knechite zusammengeschlafen 
und ihn sowohl, als die Magd und den andern Knecht angesteckt. 
Der Knabe J. T. hıtte mit dem angesteckten Knechte, A. T. mit 
der angesteckten Magd zusammengeschlafen. Beide Kinder wur- 
den inficirt, aber, sey es nun, dass die Contagiosität des Uebels 
durch die 2. Uebertragung sehr gemindert wurde, oder dass die 
Empfänglickeit der Kinder für diess Gift geringer, oder endlich, 
dass sie noch nicht lange genug der Einwirkung: des Contagiums 
ausgesetzt waren: das Uebel erschien bei ihnen bloss als Exan- 
them, :ohne dass es zu condylomatösen. Excrescenzen , oder gar 
zu Affectionen der Schleimhäute gekommen wäre. Das Dec. spec. 
lign., als eines die Action des ganzen lymphatischen Systems 
und namentlich die Hautthätigkeit stark anregenden Mittels, setzte 
dem Uebel, ehe es tiefer in den Körper eindrang, Gränzen, — 
So wie nun aber diese Fälle von Syphilis zeigen, dass allgemeine 
Lues, wenn sie vernachlässigt einen hohen Grad erreicht, auch 
noch jetzt sehr grosse Contagiosität entwickeln kann, so werfen 
sie. auch bedeutendes Licht auf Entstehung mancher pseudosy- 
Philitischer Krankheiten. Es ist nämlich nicht unwahrscheinlich, 
dass diese Krankheit, wäre sie nicht sogleich beachtet und un- 
terdrückt worden, einerseits, was bei ihrer Fähigkeit, sich durch 
blosse Berührung fortzupflanzen, nicht wohl hätte fehlen können, 
sehr bald allgemein geworden seyn würde, andererseits aber auch 
durch wiederholte Fortpflanzung und ‚zufällige Complication mit 
andern Krankheiten eine ganz andere kaum noch als Syphilis zu 
erkennende Form angenommen haben würde. — Was noch die 
Behandlung dieser Syphilitischen anlangt, so wurden sie alle, bei 
gleichzeitiger Hungercur mit dem Zırrmann’schen Decocte be-
	        
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