Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

MU. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 157 
Condylomen litt sie an starkem Schleimausfluss aus der Scheide 
und Excoriationen am weichen Gaumen. . Auch sie läugnete 
hartnäckig, Umgang mit Männern gehabt zu haben, gestand aber, 
dass im Hause ihres Herrn Br. noch mehrere Bersonen an ähn- 
lichen Uebeln litten und meinte, dass die Krankheit wahrschein- 
lich von einem gewissen J. Kr. herstamme, der im Winter etwa 
14 Tage im Hause, wo sie diene, sich anfgehalten und damals 
an einem bösartigen Ausschlage gelitten habe. Auf gerichtliche 
Auzeige ‚erhielt der Vf. Auftrag, sämmtliche Einwohner jenes 
Hauses zu untersuchen, wobei sich ergab, dass ausser jener Magd 
noch 2 Knechte .inficirt waren. Bei Beiden zeigte sich, was für 
die Art der Ansteckung sehr charakteristisch war, die syphili- 
stische Hautaffection in Form von Exanthemen und weit verbrei- 
teten Condylomen vorherrschend, beide Jitten jedooh auch an 
Rachengeschwüren, die ganz wie secundäre syphilitische Ge- 
schwüre aussahen. uud der Eine, J., hatte zugleich einen nicht 
sehr bedeutenden Bubo in der linken Inguinalgegend. Beide 
glaubten durch den oben genannten J. Kr, angesteckt worden 
Zu seyn. ‚Ausserdem war noch ein Knabe -von 14 Jahren J. T. 
und ein 13jähriges Mädchen A. T. mit maculösem Exanthem, 
ganz wie es bei La. beobachtet worden war, behaftet, sonst aher 
noch gesund. Sie wurden durch Dec. spec. lign. gänzlich geheilt. 
Alle übrigen Hausbewohner waren völlig gesund. Da inzwischen 
der Verf. erfahren hatte, dass J. Kr. sich zu dem La, begeben 
habe, dessen Kinder, wie oben erwähnt, jetzt an Syphilis litten, 
80 gewann die Behauptung dieser letztern, ohne .Beischlaf ange- 
steckt. zu seyn, einige Wahrscheinlichkeit, und es schien höchst 
nothwendig, dieses Menschen bald habhaft zu werden, was denn 
auch der Polizei gelang. Derselbe war einige. 30 Jahre alt, 
schmächtig und kachektisch aussehend und hatte um Michaelis 
1832 in einem öffentlichen Hause auf dem Hamburger Berge 
2 Nächte bei einem Freudenmädchen zugebracht. KEtwa 8 Tage 
nach ‘diesem Beischlafe hatte‘er an der Eichel des männlichen 
Gliedes 2 oder 3 wunde Stellen entdeckt, die schnell grösser ge 
worden wären, Auf Anrathen eines Barbiers hätte er diese 
Stellen mit grauer Salbe beschmiert, wonach sie ziemlich wie- 
der zugeheilt wären; jetzt aber hätten ‚gich heftige Schmerzen 
in der rechten Leistengegend eingestellt und daselbst hätte sich 
eine faustgrosse Geschwulst gebildet. In diese Geschwulst hätte 
er. dieselbe Salbe eingerieben, womit er vorher die wunden Stel- 
len‘ behandelt , und bald wäre, sie, bedeutend kleiner geworden 
und habe weniger geschmerzt, ohne jedoch ganz zu verschwin- 
den. Kurz darauf hätten sich dann Schmerzen im Halse mit 
beschwerlichem Schlucken eingestellt, , auch wären die wunden 
Stellen am männlichen Gliede wieder aufgebrochen und Schmer- 
zen in allen Gliedern hätten. ihm seine Arbeit sehr. beschwerlich 
gemacht und. ihm die nächtliche Ruhe geraubt. ‚Bei näherer 
Untersuchung fand man. ausser mehreren kleinen syphilitischen
	        
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