Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

156 IL Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
und seine 2 Kinder ausgenommen, noch.2 eben abwesende Knechte. 
Der Hausherr war völlig gesund, seine Tochter A. M. La. hin- 
gegen, ein 24jähriges, kachektisch aussehendes. Mädchen, war 
mit verschiedenen Symptomen der allgemeinen‘ Lues, behaftet- 
Ausser sehr vielen Condylomen zwischen den Natibus, an‘ den 
Oberschenkeln und an den grossen Schamlefzen, die daselbst 
eine heftige sich bis tief in die Scheide erstreckende Entzündung 
und eine starke eiterartige Blennorrhöe aus diesem Theile ver- 
nrsacht hatten, litt sie zugleich an einem maculösen Exanthem, 
das dem ihres Bruders ganz glich, und im Halse fanden sich an 
beiden Tonsillen ziemlich tiefe Geschwüre mit weissgrauem 
Grunde und dunkelrothem Rande. Die Kranke. behauptete, vor 
etwa 8 Wochen einen Ausschlag bekommen zu haben, der na- 
mentlich Nachts ‘sehr gebrannt und gejuckt habe, darauf hätten 
sich die Condylome und der Ausfluss aus der Scheide einge- 
stellt, und sie habe nun einige Zeit Pillen, welche Prof. MEN 
verordnet, gebraucht. Da sie jedoch davon keine Besserung ge- 
spürt, wäre sie seit 14 Tagen ohne Mittel geblieben, und nun 
erst hätten sich die Halsschmerzen eingestellt. Unter diesen Um- 
ständen und da Tags darauf die in La. Hause dienenden Knechte 
sich zur Untersuchung stellten und ganz gesund befunden wur- 
den, musste es am, wahrscheinlichsten seyn, dass La. Tochter, 
die notorisch zuerst erkrankt war, sich diea Uebel durch unrei- 
nen Beischlaf zugezogen habe und zwar so, dass zuerst gonorrhöa 
syphilitica, dann als secundäre Erscheinungen das exanthema 
syphiliticum und die Condylome und zuletzt erst die Ule. fauc. 
entstanden wären. Dass keine eigentlichen primären Geschwüre 
der Genitalien vorhanden waren, konnte nicht auffallen, da ja 
oft allein durch gonorrhöa ‘syphil. Ausbruch der allgemeinen 
Lües bedingt wird. Ob ihr‘ Bruder sich sein Uebel gleichfalls 
durch unreinen Beischlaf zugezogen, oder ob er vielieicht durch 
zufällige Uebertragung des syphilitischen Exanthems von seiner 
Schwester auf ihn inficirt worden sey , liess sich nicht entscheiden, 
doch schien für letzteres zu sprechen, dass bei ihm die Syphi- 
lis zuerst als Hautaffection aufgetreten war, ohne dass Gonorrhöe 
oder sonstige primäre Affection der Geschlechtstheile vorausge- 
gangen wäre, Das Mädchen übrigens läugnete hartnäckig, mit 
Männern in Berührung gekommen zu seyn, und erklärte. nicht 
zu wissen, woher die Krankheit entstanden, da sie Niemand 
kenne, der an einem ähnlichen Uebel leide. Um weitere Ver- 
breitung dieser Krankheit auf die übrigen Hausgenossen mög- 
lichst zu verhüten, wurden beide Kranke von den Gesunden 
gesondert und erhielten Süblimatpillen mit Dec. spec. lign. bei 
gleichzeitiger strenger Diät. — Während nun diese Patienten 
sich in Behandlung des Verfs. befanden, wendete sich eine 
Magd C. R.:aus einem andern Dorfe an ihn wegen eines Uebels 
von unverkennbar sypbilitischer Natur. Ausser vielen sich auch 
hier wieder besonders um den After und.-am Damme gzeigenden
	        
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