Full text: (7. Band = 1834, No 1-No 8)

%O0 . 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
aufgenommen und am Ende dieses Monats war kein solcher Kran- 
ker mehr vorhanden. Mit der Ausbreitung der Seuche wuchs 
auch ihre verderbende Kraft. Sie begann gewöhnlich mit Durch- 
fall, der nur einige Stunden, bisweilen aber 8— 10 Tage dem 
Eintritte des Erbrechens u. s. w. vorausging, Als Merkwürdig- 
keit darf bemerkt werden, dass in dieser ganzen Periode die 
Geneigtheit zu Durchfall nicht so allgemein verbreitet war, als 
im Sommer 1831... Die Brechruhrkranken des Monats Mai leer- 
ten ausserordentlich, viel aus. den ersten Wegen aus.” Stark be- 
legte Zunge, übeler Geschmack, leeres oder bitteres Aufstossen 
waren während dieses Zeitraums fast constante Erscheinungen 
im Anfange eines Brechdurchfalls. Bis zu dieser Periode der 
Seuche stand die Färbung der Haut zur Heftigkeit des Uebels 
in geradem Verhältnisse; allein im Juli und August war die 
Cyanose bei grosser Tödtlichkeit des Uebels dennoch gering. 
Alle in diesem Zeitraume an der Brechruhr Erkrankten litten 
an heftigen Krämpfen, welche beim‘ Herannahen der Paralyse 
äusserst schmerzhaft wurden. Im August kamen oft gegen das 
Tödliche des Anfalls ruhrartige Stuhlausleerungen vor. ‚Den Aus- 
wurfsstoffen war nicht selten Galle beigemischt. In einigen Fäl- 
len ausgebildeter Brechrahr war die Haut gegen Reize aukser- 
ordentlich empfindlich. Mehrere Kranke gähnten häufig. Nicht 
minder neu war das Verlangen nach Speisen, das Gefühl inne- 
rer Kälte, und die sehr schmerzhaften Zusammenziehungen der 
Füsse und Hände. Unter 1293 Kranken waren 4 zwischen 85 
bis. 90 Jahren, 5 zwischen 1—5 Jahren und 324 zwischen 20 
bis 30 Jahren. Unter den weiblichen Kranken befanden sich 
28 Schwangere und S Wöchnerinnen, im 6. und 7%. Schwanger- 
schaftsmonate waren die meisten erkrankt.  Sechzehn dieser 
Kranken wurden entbunden. Von denen, welche im Sted. chol; 
entbunden wurden, kam die Mehrzahl glücklich durch; geringer 
war die ‚Zahl der im Stad, react. Entbundenen. Bloss zwei 
Früchte: wurden lebend geboren, starben aber nach einigen Stun- 
den ans Schwäche. Der Kaiserschnitt wurde 8 Mal gleich nach 
dem Tode gemacht, aber man fand die Kinder jedes Mal todt, 
Bei den im Stad. chol. Entbundenen und glücklich geendeten 
Fällen traten bald nach dem Geburtsacte mässige Reaction und 
die‘ Wochenfunctionen ein. An allen diesen, ‚wie auch an eini- 
gen ander? Brechruhrkranken, bei welchen sich im Stad. chol; 
das Monatliche eingestellt hatte, war der soporöse Zustand we 
nig oder gar nicht zu bemerken. Die übrigen im Stad, chot; 
Entbundenen, ®elche an der Brechruhr starben, hatten diese in 
hohem Grade, und auf die Entbindung folgte gar keine Reaction, 
wie auch keine oder nur einzelne Wochenfunctionen. — Da, wo 
der Brechruhr andere Krankheiten vorangingen, waren es mei- 
stens gastrische, gastrisch-biliöse und intermittirende Fieber. Al- 
lein dass sie sich vorzugsweise aus zuletzt genannten Fiebern 
entwickelt hätte, hat sich in Wien nicht bewährt. Denn wenn
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.