Full text: (7. Band = 1834, No 1-No 8)

IV. Chirurgie und Ophthalmologie, 
horizontale Lagerung des Operirten im Entstehen unterdrückt. 
Als am 5. Tage der erste Verband abgenommen wurde, stellte 
sich, obwohl der obere Lappen sich gut angelegt hatte, die Wunde 
als ziemlich bedeutend dar. Die leinenen Bandagen und Heft- 
pflasterstreifen wurden nun mit zwei 1l2elligen wollenen Binden 
vertauscht, von denen die eine auf 2 Köpfe gewickelt, ganz nach 
Art der Cataphracta der Alten, recht hoch zunächst dem Acro- 
mium der exarticulirten Schulter anfangend, angelegt wurde, 
während die zweite, ebenfalls auf 2 Köpfe gerollt, nach Art der 
Mitra Hippocratis das Schultergelenk umgab, und zwar 80, dass 
der eine Kopf über Nacken, Schulter und Brust hin- und zu- 
rücklief und halbdeckend Touren bildete, die der andere, den 
Brustkasten umkreisend, befestigte. So war es möglich, einen 
fest anschliessenden Verband ums Schultergelenk zu bilden, der, 
wenn er 3 Tage gelegen, kaum etwas in Unordnung gerathen 
war. Gegen Knde der Vernarbung, wo wegen üppiger Granu- 
lationen der‘ Lap. infern. angewendet werden musste, wurde der 
Verband täglich gewechselt und so die Verheilung dieser bedeu- 
tenden Wunde binnen sechs Wochen erreicht. — Der abgelöste 
Stumpf zeigte das Fragment des Os brachii mit einer Spitze, 
die nekrotisch geworden, und indem sie in den vorliegenden 
Fleischlappen eingedrungen war, die Blutung hervorgerufen hatte. 
Am Knochen konnte man zwar undeutlich, doch etwas die Rinne 
sehen, durch die das Blut von vorn, wo es bei horizontaler Lage 
des Arms vom vordern Fleischlappen zurückgehalten wurde, bis 
nach der Achselhöhle und zur dortigen Hautwunde ‚sich Bahn 
gemacht hatte. Knochen und Weichtheile waren im UVebrigen 
unverletzt. — Dass statt Exarticulation im Schultergelenke auch 
Amputation in der Continuität des Oberarms, wozu noch Raum 
gegeben war, hätte helfen können, leidet nun keinen Zweifel. 
Doch abgesehen davon, dass es dem Operirten gleich seyn musste, 
ob er an der Schulter einen handlangen Stumpf, oder keinen 
trüge, konnte die Blutung in der Achselhöhle die Diagnose die- 
ses Falles so sehr trüben, dass sich hier wohl kaum der erfah- 
rendste Chirurg zu einer Amputation würde entschlossen haben. — 
Dass der Verf. den Wahrheitsfreunden zuzurechnen sey, wird 
man nach Durchlesung dieser Mittheiluhg ohne das Erinnern des 
Ref. ersehen und mit N. einverstanden seyn, dass solche Mit- 
theilungen: nicht geringen Nutzen haben, indem sie Minderge- 
übte auf die Klippen aufmerksam machen, an denen man nur 
zu leicht scheitert, und wohl auch Schüchterne veranlassen, ihre 
Beobachtungen, die ihnen im Vergleich mit minder treu erzähl- 
ten unbedeutend vorkommen, und die doch lehrreich sind, nicht 
allein für sich zu behalten. [v. Graefe’s u. v. Walther’s Journ. 
d. Chirurg, u. Augenheilkunde, Bd. 20, Hft. 1.] (K—e.) 
833. Durchschneidung der Luft-und Speiseröhre, 
wobei die Hämorrhagie ohne Zutritt der Kunst si- 
stirte; vom Kreisphysicus Dr. NEUMANN zu Strasburg in West-
	        
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