Full text: (7. Band = 1834, No 1-No 8)

IV. Chirurgie und Ophthalmologie. \ 1 
fangender Schnitt am vordern Rande des M. deltoideus einige 
Zoll herabgeführt und dann ein zweiter aus seinem Endpunkte 
im rechten Winkel quer um den ‘Arm gezogen, in den ein drit- 
ter, vom Schulterblatt am hintern Rande des M deltoideus her- 
ablaufender einfiel. Der hierdorch entstandene Lappen wurde 
schnell vom Knochen bis zur Gelenkkapsel aufwärts mit kleinen 
Messerzügen gelöst und zurückgeschlagen. Nachdem ihn ein 
Gehülfe ergriffen hatte, wurde die Gelenkkapsel mit 2 Schnitten 
geöffuet. Der erstere traf nämlich zu hoch und trennte nur das 
Kapselligament von der Glenoidalhöhle der Scapula etwas ab, 
der zweite. hingegen öffnete die Gelenkkapsel. Bei passender 
Richtung trat sogleich der Gelenkkopf aus der Pfanne ‚ worauf 
N. ein kleines einschneidiges Amputationsmesser ergriff, nach 
Umgehung des Gelenkkopfes dies am hintern Rande des Kno- 
chens herabführte und den untern. Lappen bildete.. Dieser ge- 
rieth aber viel zu kurz und zwar besonders deshalb, weil der 
Verf. nach der gewöhnlichen Angabe, 4 Querfinger breit von der 
Gelenkhöhle den Ausschnitt begann. Will man einen ordentli- 
chen Lappen bilden, so muss man gewiss noch einmal so weit 
das Messer herumführen, da die Muskeln während des Schnitte 
durch nothwendiges Anziehen des abzuschneidenden Arms sehr 
gödehnt werden, nach dem Schnitte jedoch sich eben so stark 
zurückziehen, so dass doppelte Länge, des Lappens während 
des Schnittes kaum einen halb so langen nach dem Schnitte giebt, 
Da der Lappen so kurz gerathen war, so konnte an Zusammen- 
drücken der grossen Gefässe in demselben nicht gedacht wer- 
den. Doch verlor der Kranke im Ganzen nicht viel über. ein 
Pfund Biut, da theils die Subelavia oberhalb des Schlüsselbeins 
mit Dayı’s Compressorium comprimirt wurde, theils N. seine 
Finger einzeln auf die starkspritzenden Gefässe schnell aufdrückte, 
dieselben gegen die Rippen anpresste: und dann möglichst rasch 
die Unterbindung mit v. Graere’s Haken vollendete, Da der 
Vorsicht wegen selbst alle bedeutende Venenstämme unterbun- 
den wurden, so wurde die Ligatur im Ganzen 12 Mal unternom- 
men. Der, obere Lappen deckte so ziemlich den grössten Theil 
der Wundfläche, die durch Sellige, um den Brustkasten geführte 
und auf der Wunde gekreuzte Heftpflasterstreifen noch mehr ver- 
kleinert wurde. Im Verlauf der. Vernarbung trat nichte Beson- 
deres ein, Trotz der Schwäche wurde anfangs autiphlogistisch 
durch Nitrum innerlich verfahren und Blasen mit kaltem Wasser 
auf das stets schmerzende Schultergelenk angewendet, später je- 
doch bald zu Quassia, China, Wein u. 8. w. geschritten und zwar 
um’ so mehr, als sich am 4. Tage nach der Operation, da der 
Patient nothwendig in eine andere Stube hatte gebracht werden 
müssen, ein Wechselfieberrecidiv einstellte, das beim Gebrauch 
von 30 Gran Chinin jedoch nur 2 Anfälle machte. Eine ins Zell- 
gewebe der unterliegenden seitlichen Kippenmuskeln erfolgende 
Eitersenkung wurde durch graduirte Compressen, so wie durch
	        
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