Full text: (7. Band = 1834, No 1-No 8)

IV. Chirurgie und Ophthalmologie: 
45 
der Symphyse und hart an den Condylen durchzusägen, und 
dann auch diese zu exartieuliren. Nach Unterbindung der Aeste 
der Facialarterie war die Blutung sehr gering. Die Wunde ward 
gereinigt; die Lippen mittelst 3 blutiger Stühle und Heftpflaster- 
streifen vereinigt, und ein leichter Verband angelegt. Es folgte 
dieser schwierigen Operation, welche, da sie mitunter unterbro- 
chen werden musste, nahe an + Stunden dauerte, kein beunru- 
higendes Symptom. Als am 4. Tage der Verband abgenommen 
wurde, waren die Schnitte äusserlich vollkommen vereinigt, und 
die Verunstaltung durch Einfallen der Wange nur sehr gering. 
Die Kranke konnte mit Leichtigkeit schlingen, reden, athmen; 
nach 14 Tagen trug sie keinen Verband melırz nach einem Mo- 
nate kauete sie so gut als früher mit der andern Seite des Mun- 
des; auch floss der Speichel nicht: mehr aus. Sie blieb, der 
Beobachtung wegen, noch 3 Wochen im Krankenhause, das sie 
am 5. Apr., gerade 7 Wochen nach der Operation, im vollkom- 
mensten Wohlseyn verliess. — Die Untersuchung der Geschwulst 
selbst ergab, dass es ein ausgesprochenes Medullarsarcom war. 
[Transact, of the provine. med. and surg. Associat., Vol. I, 
Lond. 1833.] (Fr.) 
52. Fractur des Oberarmbeins mit nachfolgends 
Verrichteter Resection des gebrochenen Knochens 
und Exarticulation des Arms; vom Kreisphysicus Dr. Neu- 
MANN zu Strasburg in Westpreussen. Wie viele körperliche Lei- 
den der Mensch ertragen kann, zeigt nachstehende, sehr com- 
plieirte Krankengeschichte: ein 23jähriger starker, gesunder Mül- 
ler erlitt, als er die. Welle einer Windmühle eintheeren wollte, 
von den vorstehenden Stampfhretern ergriffen und im Kreise um 
die Welle geschleudert, eine complicirte Fractur des rechten Ober- 
arms. Zwei Zoll über dem Ellenbogengelenk fand sich anf der 
vordern Fläche des Oberarms eine ovale, 2 und 3 Zoll im Durch- 
messer haltende Hautwunde, durch die man deutlich das ’ ganz 
von Weichtheilen entblösste Os brach sehen konnte. Durch den 
bei horizontal gehaltenem Arm in die Wunde geführten Finger 
überzeugte man sich leicht, dass der Muwsc. brachialis internus 
quer durchgerissen und der Oberarmknochen im mittlern Dritt- 
theile zerbrochen war » 80 wie dass die über einander geschobe- 
neu Fragmente desselben sich doch mit ihren Spitzen sehr weit 
von einander entfernt hatten. Das Scapularende des Knochens 
wurde nämlich in der grössten Tiefe zwischen den M, anconaecis 
gefühlt, während das ganz nach oben getretene Cubitalende zum 
Theil ganz entblösst, zum "Theil und zwar an der äussersten 
Spitze nur mit Armoberhant bedeckt, sich in den geitwärts ge- 
schobenen‘ M. biceps brachü einbohrte. Ausser der Wunde am 
Ellenbogengelenk fanden sich noch nah an der Achselhöhle zwei 
thalergrosse, die jedoch als Excoriation den Finger ins Innere 
des Arms nicht eindringen liessen. Der verletzte Oberarm war 
um 2 gute Zolle kürzer, als der gesunde, woher auch die Schmer-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.