Full text: (7. Band = 1834, No 1-No 8)

N. Materia medica und Toxikologie. ‚414 
fertigen. Vergebens forschte Sr. nach vorangegangener, oder 
Noch bestehender Angina, die Eltern wussten nichts darüber an- 
zugeben und der Kranke lag bewusstlos da. Der Wundarzt hatte 
am Morgen ein Brechmittel verordnet, und da dieses weder nach 
Oben, noch nach unten gewirkt hatte, wollte eben der Verf, Am- 
on, carb. verordnen, als ihn die Eltern gleichsam im Vorbei- 
gehen fragten: ob das wohl dem Kranken geschadet haben könne, 
dass er gestern von einem andern Kinde ‚einige Mohnköpfe zu 
ssen erhalten habe? Sogleich wurde nun ‚nach der Quantität 
des genommenen Mohnes geforscht, doch liess sich darüber nichts 
Genaues ergründen. Nach ‚manchem Widerspruche blieb der 
Spender endlich dabei, dass er dem Kleinen nur einen Mohn- 
kopf, und zwar Nachmittags um 1 Uhr gegeben habe. Hier- 
durch zweifelhaft gemacht, musste sich ‚St. begnügen, sympto- 
Mmatisch zu verfahren. Er liess daher alle 3 Stunden ein Essig- 
Alystier geben, Himbeeressig in reichlicher Menge einflössen und 
wegen deutlicher. Congestionen nach oben 6 Blutegel setzen. Dag 
Kind starb aber noch in derselben Nacht in Convulsionen. Das 
‚Gesicht der Leiche war bereits am Morgen blau, die rothen Fle- 
cke- waren verschwunden, und schon nach 24 Stunden ging der 
Körper in Fäulniss über. — Betrachtet. man die Symptome, die 
Sich „binnen 2% Stunden so stürmisch einstellten, genauer, 80 
Wird. es fast nur. zu gewiss, dass Opiumvergiftung die Ursache 
Wwar.. Der ausserordentlich heftige. Schweiss,. das glühende, auf- 
getriebene. Gesicht, die erweiterte Pupille, der schnelle Puls 
‚und selbst die rothen. Flecke lassen kaum daran zweifeln, da 
Jene letztern sehr gewöhnlich bei Opiumvergiftungen vorkommen, 
‚Wollte man ja an Scharlach denken, so vergesse: man nicht, dass 
ein. so schneller. Verlauf des Exanthems, besonders in einer so 
Eutartigen Epidemie, wie. die damalige war, zu den grossen Sel- 
tenheiten gehört, dass. die Angina fehlte und für Scharlach nur 
die rothen Flecke sprachen, diese aber sich nur am Unterleibe 
fanden und ihr Entstehen recht wohl dem Opium verdanken konn- 
ten. — Ein anderer Fall der Art hatte ‚einen minder. trauri- 
gen Ausgang. Ein. l4jähriger Knabe ass einige Mohnköpfe und 
‚verfiel 4 Stunden darauf in Irrereden, Schlafsucht und Krämpfe, 
Ein Wundarzt verschrieb. ein Abführmittel, doch erst nach fünf 
Tagen verloren sich die Zufälle allmählich, und der Kranke blieb 
lange so hinfällig und schwach, dass er „nicht gehen konnte, 
Vier. Wochen nach der Vergiftung sah ihn St. Er klagte über 
Erosse Hinfälligkeit, fortwährende Neigung zum Schlaf, Schwin- 
del, Gedächtnissschwäche . und Appetitlosigkeit, Das Aussehen 
War 80 bleich, dass er nicht & Minuten stehen konnte. ‚Mehr- 
Wöchentlicher Gebrauch roborirender Mittel ‚leistete sehr wenig. 
Noch einige Monate nachher glich .der Knabe einem Reconva- 
Jescenten aug einem schweren Typhus. „[Aufeland’s Journ, der 
Prakt, Heilk, 1833, Dec.) (K— ee.) 
Summarium d. Medicin, 1834, VII. 
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