Full text: (7. Band = 1834, No 1-No 8)

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V. Staatsarzneikunde: 
spannte Grundsätze zeige und auch grosse Heftigkeit und Zorn 
blicken lasse. -— Nachdem sich S, seit Jahr und Tag meisten” 
theils ordentlich und nur in Folge von Branntweingenuss wie €iP 
Verwirrter betragen hatte, wurde er auf Ansuchen seiner Frau 
im Mai 1830 provisorisch von Hofheim entlassen und erhielt 
Unterstützung zum Wiederbetrieb seines Handwerkes. SS. soll 
hierauf eine Zeit lang krank gewesen seyn. Im April 1831 be- 
richtet der Landrath, S. sey von seiner Geisteskrankheit noch 
nicht ganz geheilt; bald mehrten sich die Klagen über ihn, und 
er hatte auf öffentlicher Strasse eine ‚confuse Rede über die 
christliche Liebe gehalten. Als geisteskrank bewies sich S, auch 
in einer, 3 Tage später und in vollkommen nüchternem Zu- 
stande mit ihm angestellten Untersuchung. Die Regierung ver- 
fügte die Zurücksendung nach H., falls neue Störungen vorfal- 
len sollten. Diese blieben nicht aus, aber dennoch unterblieb 
die Versetzung nach Hofheim. Eine andere Verfügung der 
Regierung vom 5. Juli 1832 scheint S. bloss für einen Trunken- 
bold und nicht für einen Irren auszugeben. S. blieb bei seiner 
Lebensweise, setzte durch seine Kxcesse die Polizei in Bewe- 
gung und benahm sich im nüchternen Zustande auch gegen Be- 
richterstatter wie ein Verwirrter. Im December schrie er wie” 
der auf öftentlicher Strasse, und man hörte von ihm die Worte: 
„in einem Jahre soll es anders werden, dann giebt es nur einen 
Hirten und eine Heerde.*“ Hierüber vernommen, antwortete er 
wie ein Verrückter. Die Ehefrau klagte ihn an, in der Betrun- 
kenheit sie mit einer Wasserflasche geschlagen zu haben. Hier- 
über vom Gerichte befragt, verfiel er in ein verwirrtes, höchst 
wunderliches Geschwätz über einzelne Artikel der Landesverfas- 
zungsurkunde, mischte Verse und biblische Sprüche ein und 
Kusserte sich über den Zank mit seiner Frau so verrückt, dass 
das Stadtgericht ihn, wegen noch fortbestehender Geistesstörung 
für unzurechnungsfähig erkannte. Er wurde den 9. Dec. von 
dem Berichterstatter untersucht. S. war zwar ruhig und zeigte 
nicht die grosse Verwirrung seiner Gedanken, wie vor einem 
Jahre, suchte aber immer Gelegenheit, von der Verfassungs- 
urkunde zu reden und biblische Sprüche zu recitiren; er be- 
schuldigte die Stadtgerichte, ihn um sein Vermögen gebracht zu 
haben, nannte das Hospital Hofheim Bastille, schob die Schuld 
an seiner Tobsucht, und seines widersinnigen, verkehrten‘ Be- 
nehmens lediglich seiner Frau zu und versicherte, zuweilen Reis- 
sen in den Beinen und im Rückgrate, auch Schwindel im Kopfe 
und seit der erhaltenen Kopfwunde kein Geruchsvermögen mehr 
zu haben... Er hielt sich zwar für das Corrections-, aber nicht 
für das Narrenhaus reif. In dem Verhöre am 12. Dec. wollte 
er wieder ganz gesund seyn, klagte jedoch Rückenweh und Reis- 
sen in den Beinen als Ursache. seiner Unruhe, Excesse und sei- 
nes Unvermögens zu arbeiten an, zeigte jedoch wieder Schwä- 
\che des Gedächtnisses und verkehrte Ideen, indem er z. B. be-
	        
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