Full text: (7. Band = 1834, No 1-No 8)

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. IV. Gynäkologie und Pädiatrik, 
selben erfolgte indessen gar nicht; Pat. fühlte sich jedoch wohl und 
hielt sich für schwanger, welche Vermuthung durch das nächste 
Ausbleiben der Regeln und das eich einstellende, bei Schwanger? 
gewöhnliche leichte Erbrechen nach dem Essen bestärkt wurde. Sie 
erkrankte an den Masern, und als diese auf ihrer Höhe standen 
trat an dem Tage, an welchem 3 Monate früher die Menses ausge 
blieben waren, plötzlich eine anfangs geringe, mit. wehenartigeD 
Schmerzen verbundene Blutung aus den Genitalien ein, weshalb man 
einen Abortus befürchtete; das anfangs nur dünne wässerige Blut 
wurde aber allmählich schwärzer und consistenter , und unter hef- 
tigen Wehen ging endlich eine 2 Loth schwere Masse coagulirten 
Blutes ab. Wahrscheinlich. war also der Faserstoff des Menstrualbiu- 
tes im Uterus zurückgeblieben, hatte sich daselbst zusammengehäuft, 
wie ein Pfropf den Uterus verschlossen und den Abfluss des Men- 
strualblutes in den Monaten, wo die Menses, ausgeblieben waren, 
somit verhindert. In diesem und in einem ähnlichen, später; beob- 
achteten. Falle von Menostasie liess der Verf. mit dem besten Er- 
folge 8 bis 14 Tage vor der Eintrittszeit der Menses täglich 3 Mal 
I Glas Saidschützer Bitterwasser trihken, wonach dieselben mit dem 
Tage erschienen , das Blut allmählich dickflüssiger wurde und die 
Heilung innerhalb 3 Monate vollständig erreicht wurde. —- Diese 
Art von Menostasie kann bei Mädchen leicht Verdacht von Schwan- 
gerschaft erregen; sie ist nur durch zeitige und genaue Aufmerk- 
samkeit auf die Beschaffenheit des Menstrualblutes zu erkennen. — 
2) Die Anwendung der Opiate in den Kinderkrankhei- 
ten, Mit der Anwendung der stärker nnd fast allgemein auch nach- 
haltiger einwirkenden Arzneien wird namentlich in der neuern Zeit 
grosser Missbrauch getrieben; es gilt das besonders von der An- 
wendung der Narcotica und vorzugsweise des Opiums bei Kindern, 
um so mehr, da wir noch keineswegs bestimmen können, in welcher 
Gabe das Opium und dessen Präparate Kindern ohne Nachtheil und 
Gefahr gereicht werden dürfen. TaAııes hat danach Convulsionen 
entstehen sehen; Pyı erzählt, dass ein Kind nach einem schmerz- 
stillenden Tränkehen in einen tiefen Schlaf verfallen und nach 12 
Stunden an Coma gestorben sey; es ist bekannt, dass Opium Con- 
gestionen nach dem Gehirn erregt; diese können leicht einen ent- 
zündlichen Zustand im Gehirn und dessen Häuten und in dessen 
Folge organische Krankheiten veranlassen, zumal bei anhaltende- 
rem Gebrauche, da das kindliche Alter ohnehin vorzugsweise zu 
Kopfkrankheiten disponirt ist; in 2 Fällen salı der Vf. Knaben, die 
gegen Convulsionen anhaltend Opium .von einem Chirurgen erhalten 
hatten, später in jeder Hinsicht eine gewisse Stupidität zeigen und 
in ihrer geistigen Entwickelung sehr hinter anderen Knaben und so- 
gar hinter ihren eigenen Geschwistern zurückbleiben. — Aber auch 
in den Officinen müsste es streng verboten werden, Schlaftränkchen 
zu verabreichen, welche Syr. Rhoead., Syr, opiat. und wohl gar 
Tinct. opä enthalten. . [v, Sicbold’s Journal, Bd, XIII, St. 3. 
3833.) ‚(L—t.).
	        
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