Full text: (7. Band = 1834, No 1-No 8)

308 IV. Gynäkologie und Pädiaetrik, 
auf traten starke Wehen ein, die eich aber wieder verloren -und 
erst den nächsten Abend heftiger wiederkehrten. Abends gegen 
94 Uhr (den 18, Juli) rief man die Hebamme, welche die Blase 
apringfertig fand und sie öffnete, worauf viel Wasser: abging- 
Bald nachher stellte sich eine zweite Blase, und nachdem auch 
diese gesprengt war, wurde das Kind von der Natur, mit dem 
Kopfe voran, leicht bis zur Beckengegend entwickelt. Es ath- 
mete nur unvollkommen, schrie auch einmal, doch mehr wim- 
mernd, und die Respirationsbewegungen liessen dann schnell nach. 
Vergebens bemühte sich die Hebamme nun, die Geburt weiter 
zu fördern, man rief daher den Verf., der das Kind mit nach 
vorn und oben gewendetem Rücken: bis zur Hüftgegend hervor“ 
getreten fand, es aber eben so wenig durch vorsichtige Tractio- 
nen weiter fördern konnte. Er zog dafier die Füsse mit Leich- 
tigkeit vor, doch blieb das Kind mit dem Steisse immer noch ip 
den Geburtstheilen. Bei tieferer Untersuchung nahm er nun dar- 
an eine grosse, weiche, nicht deutlich fluctuirende und auch 
keine Kindestheile fühlen lassende Geschwulst wahr, die er end- 
lich mit hoch‘ heraufgeführter Rechte umgehen konnte, worauf 
er sie, die Hand oben auf sie aufsetzend, nach unten zu brin“ 
gen suchte. Seltene und schwache Wehen unterstützten ihn da- 
bei nur wenig, doch.konnte er ihr endlich den Eintritt ins uß- 
tere Becken bewirken. . Nun glaubte er das Weitere der Natur 
überlassen zu können, zog die Hand wieder yor und half nur 
durch behutsames Ziehen am Becken des Kindes nach. Plötz- 
lich stellte sich eine sehr kräftige Wehe ein, und mit ihr wurde 
das Kind im heftigen Stosse ‚und mit hörbarem Platzen sammt 
der Geschwulst und einer ungeheuern Menge Fruchtwasser aus- 
gestossen, worauf es sich zeigte, dass die Geschwulst zwischen 
Steissbein und After mit dem Kinde, einem Knaben, zusammenhing- 
Oben war sie geplatzt, und es hatte sich eine beträchtliche Meng® 
einer dem Fötusgehirn ähnlichen Masse entleert, auch war sie 
an derselben Stelle im Umfange einiger Zolle sugillirt. Die Ru- 
ptur hatte wahrscheinlich während der letzten Wehe Statt gefun- 
den. - Die weitere Vollendung der Geburt war normal. . Mutter- 
kuchen und Nabelschnur waren sehr weich, letztere sehr mager 
und leicht zerreissbar. Das Kind blieb todt.. Das Wochenbett 
verlief gut, die Frau aber erholte sich sehr langsam. Den näch- 
sten Tag Nachmittags wurde das Kind ‚näher untersucht. E® 
schien etwa bie zum 7. Monate gediehen und für sein Alter gut 
entwickelt zu seyn. Die Pupillen waren noch nicht geöffnet 
Da durch Ruptur ein Theil des Inhalts der Geschwulst verloren 
gegangen war, so konnte ihr Gewicht nur ungefähr auf 6 Pfund 
geschätzt werden. Sie sah glatt aus und war länglich rund mit 
slärkerem freien Ende. Unter den Integumenten kam man auf 
einen festen Balg derselben. Das Innere bestand aus verschie“ 
denen, gruppenweise durch einander gelagerten Massen, grös®- 
tentheils nämlich aus einer dem Kindesgehirn ähnlichen, dann
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.