Full text: (7. Band = 1834, No 1-No 8)

214 Ill. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
selseitige Verschiedenheit der Stellung beider untern Glieder 8u- 
genblicklich hervorbringen, wenn er die eine oder die andere 
Hüfte willkührlich emporzieht. Diese scheinbare Verlängerung 
oder Verkürzung lässt sich erkennen, wenn man vom vordern 
obern Stachel des Darmbeins.einer Seite bis zum innern Knö- 
chel derselben Seite das Maass nimmt und dann auch den Ab- 
stand derselben Punkte auf der andern Seite misst. Dies Maas® 
giebt eine gleiche Länge. Dagegen findet man, dass die Hüften 
nicht in derselben Ebene liegen und eine Extremität genau um 
so viel länger scheint, als dic Hüfte derselben Seite tiefer ge“ 
stellt ist. — Oben erwähnte Congestion, welche den krankhaf- 
ten Zustand (die Coxalgie) herbeiführt, wird bald oder spät bis 
zur Entzündung gesteigert, welche entweder mit Ausschwitzung 
von Lymphe, oder mit KEiterung verläuft. Schwillt nun in Folge 
der Congestion und Entzündung entweder das runde Band oder 
die Knochenmasse der Gelenkpfanne oder des Schenkelkopfes an, 
und werden dabei die Knochentheile nicht gleichzeitig erweicht; 
so nimmt die Länge des Gliedes zu. Die wirkliche Verlänge- 
rung erweist sich bei Messung des. Gliedes, und die Verglei- 
chung desselben mit dem gesunden, und die gefundene Verschie- 
denheit der Länge des Maasses deutet die Grösse der Anschwel- 
Jung im Gelenke in der Richtung der Längenachse an. — Wirk- 
liche Verkürzung ohne bestehende: Verrenkung findet sich bei 
denen, deren entzündeter Knochen wegen vorhandener Scrofel- 
sucht oder Rhachitis weich und zusammendrückbar wird, oder 
durch, Aufsaugung verloren geht. — Beginnt die Congestion und 
Entzündung in der nächsten Umgebung des ‚Hüftgelenkes, so ist 
die Verlängerung oder Verkürzung nur scheinbar, Wurzelt das 
Uebel im Zeilgewebe, welches der untern -Fläche des Hüftge- 
Jenkes und Schenkelhalses zunächst liegt, so wirkt die Anschwel- 
Jung wie ein zwischen dem Sitzbeine und dem ‘kleinen Umdre- 
her eingeschobener Keil und drückt den ‚schief nach ab- und 
auswärts gerichteten Hals des Schenkelbeins nach aufwärts. So 
wird der Schenkel von dem gegenseitigen entfernt; der Kranke 
kann sie im Liegen nicht aneinander bringen, ’er kann im 
Gehen nicht das Gleichgewicht halten, das Becken nimmt 
eine schiefe Stellung an, der ganze Körper weicht aus seiner 
Achse, und der kranke Schenkel scheint verlängert. — Schwillt 
das, zunächst an der obern Fläche des Schenkelhalses und Ge- 
lenkpfannenrandes befindliche, Zellgewebe an, so drückt sich das- 
selbe wie ein zwischengeschobener Keil gegen das Darmbein und 
den grossen Umdreher: der Kranke zieht die Beckenhälfte der 
kranken Seite empor, das Becken wird schief gestellt und die 
kranke Extremität erscheint schon in der‘ ersten und. zweiten Pe- 
riode der Coxalgie verkürzt, ohne dass eine Verlängerung vor- 
herging, oder eine Verrenkung zum Stande gekommen ist. — 
Schwillt das Zellgewebe in der Nähe der vordern Fläche des 
Hüftgelenkes an; so wird der Hals des beweglichen Schenkel-
	        
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