Full text: (7. Band = 1834, No 1-No 8)

138 IL: Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Mittel: Mandelmilch mit Lig. C. C. Succ. und Extr. thebaic., 
Umschläge von Spec. aromat. mit Weinessig, Ol. Ricini (wegen 
eingetretener Verstopfung), ‚Blutegel, Essigäther und Bibergeil- 
tropfen (wegen. heftigen Würgens mit grosser Angst und Dys- 
pnöe) blieben zwar nicht ohne wohlthuende. Wirkung; allein das, 
was die Kranke reitete, war ein kritisches Friesel, nach dessen 
Erscheinen die krankhaften Zufälle schnell verschwanden. Der 
Friesel kam den 8. Tag der Krankheit vorzüglich an der Brust 
und am Rücken zum Vorschein, nachdem statt des trüben und 
rothen Harnes hellgelber in grosser Quantität abgegangen war. — 
Ein wohlgenährter Knabe von fast einem. Jahre wurde plötzlich 
unleidlich: er weinte viel, legte stete den Kopf an, schlief un- 
ruhig, bekam Hitze, zumal, am Kopfe, athmete schnell, . unre- 
gelmässig, oft schnarchend, hatte trägen Stuhlgang und gespann- 
ten Unterleib. Es wurde ihm hinter jedes Ohr. ein Blutegel ge- 
setzt, und alle 2 Stunden ein halber Gran Kalomel gegeben. 
Die hierauf eingetretene Besserung war von kurzer Dauer, in- 
dem der vorige Zustand zurückkehrte. Bloss der Kopf war we- 
niger heiss, dafür aber die Zunge belegt. Ein gereichtes Brech- 
mittel wirkte 3 Mal, worauf wenigstens der. Athem freier ward. 
Die fortgebrauchten Kalomelpulver wirkten täglich 3—4 Mal auf 
den Darmcanal, worauf das Kind bald genas. — Gleich darauf 
erkrankte die ältere Schwester dieses Knaben, ein schwächliches 
Kind von 3 Jahren, ‚an leichten gastrischen Zufällen. . Abfüh- 
render Mittel ungeachtet bildete sich ein Status hydrocephalico- 
apoplecticus, gegen welchen zunächst zwei Biutegel in jede Tem- 
poralgegend angelegt und kalte Umschläge gemacht wurden. Aus- 
serdem legte man Sinapismen an die Waden und»gab zweistünd- 
lich einen Gran Kalomel. Des Abends war der Zustand noch 
gar nicht verändert, die ganze linke Seite erschien gelähmt. 
Man setzte noch 2 Blutegel, setzte zu dem Kalomel noch 4 Gran 
Digitalis und continuirte mit den Umschlägen und Sinapismen. 
Hierauf trat einiger Nachlass ein und das Kind antwortete ja 
oder nein; allein der bewusstlose Zustand kehrte bald in stär- 
kerem Grade zurück und der Tod war unabwendbar. Den Mor- 
gen vor diesem tragischen Ende antwortete das Kind, seiner 
Lethargie ungeachtet, auf die Frage, ob es trinken wolle: ja, 
und trank wirklich mit Begierde. Wahrscheinlich war in der 
rechten Gehirnhälfte ein Exsudat. — Kin 64jähriges Mädchen 
mit auffallenden Geistesfähigkeiten war seit einem Jahre mager, 
bleich, verdriesslich, grämlich geworden und hatte in der Ge- 
gend des Herzens eine knorpelartige Erhöhung bekommen. Da- 
bei nahm die Reizbarkeit immer mehr zu, es fand sich Hang 
zur Traurigkeit, und das Atmen wurde häufig von schweren 
Seufzern unterbrochen. Die Masern, welche das Kind dm Ja- 
nuar bekam, gingen schon in zwei Tagen und ohne bedenkliche 
Zufälle vorüber, Jedoch klagte das Kind nach 14 Tagen über 
Reissen in allen Gliedern, besonders aber ia der Brust. Unter
	        
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