Full text: (7. Band = 1834, No 1-No 8)

VI. Psychiatrie, 
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noch kein Mittel ihm Linderung verschafft hat. Seine Unfähigkeit, 
Entschlüsse durchzuführen, seiner Gefühle Meister zu werden, 
5-.ng so weit, dass auch nicht ‚ein Mittel regelmässig oder länger 
als höchstens einige Tage gebraucht ward. So auch mit der Diät, 
“— In diesem Falle ist der Geist des Kranken nicht von seiner Bahn 
ahgewichen, denn Begriffe und Urtheile sind richtig; nur das Ge- 
nüth ist ergriffen, und zwar so schr, dass es zu einer Art Nerr- 
schaft über den Verstand gelangt ist und die Operationen des letz- 
term, die eigentlich stets leitend. und dominirend für das Ge- 
müth seyn müssen, yicht nur zurückgedrängt, sondern auch das 
Willensvermögen gefesselt hat. Es ist also eine idiopathische Ge- 
Müthsstörung mit consensueller Willensstörung vorhanden, ‚ein Zu- 
stand, den die Alten hypochondrische Melancholie nannten, und der 
von unserm Vf. mit dem Namen Melancholie anthropophobien belegt 
wird. Dass dieses Uehel bloss vom April bis September währt und 
(seit 14 Jahren) im Winter schweigt, verdient besonders bemerkt 
zu werden. [Horn’s Archiv, 1833, Juli, August.] (V—t.) 
‚99. Hypochondrie 'mit hervorstechender Furcht 
vor Menschen und Tod; von Dr. €. A. Torr zu Ribnitz. 
Kin Dreissiger, der sich vom Handwerksgesellen und Bedienten 
bis zum Postbeamten emporgeschwungen hatte, glaubte sich nicht 
Seachtet, war dabei aufgeblasen und litt seit drei Monden an hy- 
pochondrischen Beschwerden unter mancherlei Formen. Am her- 
vorstechendsten war seine Furcht vor dem Tode und die Schen, 
Sich öffentlich zu zeigen, theils um nicht unbekannten Menschen 
zu begegnen, theile um nicht auf der Strasse vom Schlage gerührt 
zu werden, — Bei der atrabilären Constitution des Kranken. ver- 
muthete man Infareten. Um diese zu lösen und um auf das Gan- 
gliensystem des Unterleibes einzuwirken, wurde Asa foctida, KEztr. 
Tarax. und Chelidon. maj., Sulph. praeeip., Aloe lucida, Sapo 
med. gegeben, und körperliche Bewegung angerathen, reizlose 
Speisen, zum Getränke Wasser vorgeschrieben und der Unterleib 
massirt. Hierdurch wurde Patient grösstentheils geheilt, und Bä- 
der, anfangs lauwarme, mit aromatischen Species, später kältere 
und zuletzt ganz kalte, mit spanischem Salze versetzt, und dabei 
Begiessen mit kaltem Salzwasser brachten die Gesundheit vollkom- 
men und, dauerhaft zurück; . Die Cur dauerte + Jahre. [Horn’s 
Archiv, 1833, Juli, August.) ; (V—t.) . 
90. Ein Fall von hypochondrischer Melancholie, 
als Folge eines schweren Typhus; von Dr. C. A. Torr 
zu Ribnitz. Eine 23jährige Frau, welche bereits an Krampfbe- 
schwerden mancherlei Art and auch an Mastodynia gelitten, wurde, 
als sie elf Tage nach der Entbindung die Treppe zum zweiten 
Stockwerke ihres Hauses hinanstieg, plötzlich von Angstgefühl mit 
Neigung zur Ohnmacht ergriffen. Erbrechen, Fieber, schwaches 
und periodisches Delirium und Schaflosigkeit , welche sich dazuge- 
seilten, hatten den Ortsarzt veranlasst , unter mancherlei Mitteln 
*uch Moschus zu geben. Als Verf. die Kranke übernahm, war der
	        
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