1. Anatomie und Physiologie,
rechten Atrium zugewandt war: Unter dem Septum atriorunm
und über dem nicht mit ihm vereinigten Septum ventriculorum
befand sich eine etwa ovale, grosse Verbindungsöffnung , sowohl
zwischen den beiden Vorkammern, als auch den eigentlichen
Herzkammern, deren Querdurchmesser 104 Linie und der Durch-
messer von oben nach unten 1 Zoll betrug. Der obere Umfang
dieser Oeffnung wurde von einem glatten muskulösen, dem Se-
ptum atriorum angehörenden Bogen gebildet. Der untere Um-
fang desselben machte die obere Gräuze des zu niedrigen. und
somit- unvollkommenen Septum ventriculorum aus und war von
einer wulstigen Ausartung der hier verschmolzenen Zipfel von
der Vak. mitralis und tricuspidalis bedeckt. Der rechte Ven-
trikel zeichnete sich durch grössere Weite vor dem linken aus
und hatte starke Wände. Noch auffallender aber war die Ver-
schiedenheit der Grösse der aus beiden Ventrikeln hervorgehen-
den Pulsaderstämme. So betrug z. B. die innere Peripherie der
Arteria pulmonalis 4 Zoll, während die der Aorta nur 2 Zoll
31 Linien ausmachte; — Höchst selten und sehr merkwürdig ist
es, dass bei der grossen Oeffnung im Septum cordis die Kranke
ohne Zeichen von Cyanosis und ohne anderweitige Störungen ih-
res Befindens das erwähnte Alter erreichte. [Med, Zeit. v. Ver-
eine f. Heilk. in Preussen, 1833, Nr. 27.] (K—e.)
3. Abnorme Lage des Orificium urethrae bei
einem 16jährigen Mädchen beobachtet; mitgetheilt von
Dr. OrrTo in Annaberg. 1825 wurde O. zu einem 16jährigen,
noch nicht menstruirten Landmädchen gerufen, das ein Dorfchir-
urg bereits seit 14 Tagen behandelt hatte. Sie sollte zuerst an
katarrhalischem Fieber erkrankt seyn, wozu’ sich später Delirien,
Bewusstlosigkeit, Zuckungen, Urinverhaltung und Meteorismus
gesellt hatten. Da man den Verf. besonders auf die mehrtägige
Urinverhaltung aufmerksam machte, so steckte er einen gewöhn-
lichen silbernen weiblichen Katheter ein. Als er zu der Kran-
ken kam, fand er diese im letzten und paralytischen Stadium ei-
nes Typhus hydrencephalicus und den Unterleib, besonders in
der Blasengegend so bedeutend voll und aufgetrieben, dass man
Lage und Ausdehnung der höchst gefüllten Harnblase ganz deut-
lich unter den Bauchdeeken wahrnehmen konnte. Der Chir-
urg, der den Zustand für einen epileptiechen Krampfzustand hielt,
hatte durch Salben und Ueberschläge den Urinabgang befördern
wollen, auch vergeblich seinen gewöhnlichen männlichen elasti-
schen Katheter wiederholt angewendet. Da seine Ansicht von
der Krankheit ganz irrig war, glaubte O., dass er auch mangel-
hafte Kenntniss von Lage und Mündung der weiblichen Urethra
habe, bezeichnete ihm also die Stelle, wo das Orificium ure-
thrae zu suchen sey, und liess ihn nun nochmals versuchen, den
Katheter zu applieiren, was jedoch nicht gelang. O. übernahm
dies Geschäft, das er leicht zu vollziehen gedachte, nun selbst,
verwunderte sich aber nicht wenig, als er an der Sewöhnlichen
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