Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

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V. Gynäkologie und Pädiatrik, 
nehmen: ja, jede Verletzung des Mittelfleisches bei einer Zan- 
gengeburt ist nicht diesem Instrumente, sondern dem unzweck- 
mässigen und unvorsichtigen Verfahren beim Durchschneiden des 
Kopfes zuzuschreiben. Den Raum kann die Zange kaum been- 
gen, theils weil die Dicke ihrer Blätter zu unbedeutend ist, 
theils weil nicht widernatürliche Grösse des Kopfes, sondern 
seine fehlerhafte Richtung bei seiner Entwickelung über den 
Damm an der Verletzung des Mittelfleisches Schuld ist. Wir 
lesen hier von einer bejahrten Erstgebärenden, welche we- 
gen Wehenmangels mit der Zange entbunden wurde, wobei der 
Damm unversehrt blieb. Anderthalb Jahre später gebar diese 
Person regelmässig, und der Damm riss ein. — Kann also die 
Zange den Dammriss verhüten, so muss sie angelegt werden: 
bei grosser Neigung des Beckens, bei besonders hreitem, rigi- 
dem oder auch zu dünnem Mittelfleische, bei einer auffallenden 
Neigung des Kopfesj gegen das Perinäum vorzudrängen, ohne 
sich mit dem Hinterhaupte unter dem Schambogen festzustelleu, 
bei auffallender Enge und nach vorn gerichteter Stellung der 
äussern Geschlechtstheile. Bei langsam verlaufenden Geburten 
dehnt sich der Damm nach und nach aus, und es ist also weni- 
ger ein Riss zu fürchten, als bei schnellen Geburten, bei welchen 
daher die Zange um so eher anzulegen. Zögert man zu lange 
damit, so kann während des Versuches eine Wehe entstehen, 
welche den Kopf in einer ungünstigen Richtung hervortreibt und 
alsdann. den Dammriss bewirkt. Der späteste Zeitpunkt für die 
Anlegung der Zange scheint der zu seyn, wo der Kopf den 
Damm mässig zu spannen anfängt, vorausgeseizt, dass die be- 
sondern Umstände einige Gefahr für denselben verrathen. Kine 
kleine und leichte Zange reicht zu dem Zwecke vollkommen aus. 
Bei Appliciraung derselben muss jedes Zerren der Theile vermie- 
den werden. Die Hauptpunkte bei Handhabung des Instrumen- 
tes sind folgende: Man lasse die Zange nur langsam, nie zu ei- 
lig wirken, die Tractionen in grössern Zwischenräumen ‚folgen, 
je mehr sich der Kopf dem Beckenausgange nähert, und noch 
seltener bei Ausschliessung der Frucht nach gehobenem Wider- 
atande. Der Griff des Instrumentes muss während der Tractio- 
nen schief aufwärts gerichtet und auch nach denselben nicht zu 
sehr gesenkt werden. Der Kopf muss mit der Zange gleichsam 
in die Höhe gehalten und dadurch vom Damme entfernt werden. 
Je mehr sich dabei die Schamspalte allmählich erweitert, desto 
cher wird es möglich, mit dem nach oben gerichteten Griffe der 
Zange eine leisen Zug anzuwenden und so den Kopf des Kin- 
des gleichsam über den Damm hervorzuheben. So leicht dieses 
bei schwachen, wenig wirksamen Wehen gelingt, so leicht kann 
es bei kräftigen Wehen begegnen, dass sich der Kopf zwischen 
den Zangenlöffeln entwickelt und dass, wenn man ihn nicht so- 
gleich nach oben leitet, bei seinem Durchtreten durch den Schei- 
denzang der Damm verletzt wird. Der Kindskopf darf ia solchem
	        
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