Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

V.: Gynäkologie und Pädlatrik, 505 
welche zu dessen Verhütung dienen mögen, und'es liegt auf der 
Hand, dass von: einem solchen, für alle vorkommenden Fälle pas- 
senden , Mittel nicht die Rede seyn kann. — Zu der. Erhaltung 
des Dammes reicht in der Mehrzahl von Fällen die Unterstützung 
desselben mit des Geburtshelfers flacher: Hand aus; allein: sie 
verlangt Vorsicht in Beziehung auf die Zeit und die Art der An- 
wendung. Zu frühzeitiges Unterstützen kann durch nachtheiligen 
Druck, wie auch durch fehlerhafte Entwickelung des Kopfes; 
zu spätes Unterstützen des: Mittelfleisches durch - Veraäumnise 
Schaden bringen. Wenn das Mittelfleisch ausser der Wehe et- 
was gespannt bleibt, so. ist der passendste Moment zu unterstützen 
da. Noch wichtiger ist die Art der Unterstützung: die Ballen 
der Hand sollen an den Rand des Schambändchens, die Fläche 
der Hand unter den übrigen Damm gelegt, die Finger neben dem 
After nach hinten ausgestreckt werden. Man übt nun während 
der Wehe mit der Hand einen sanfıen Druck in der Richtung 
nach dem Schambogen hin aus und richtet sich dabei nach den 
besondern Umständen; die unendlich mannigfaltig seyn und unmög- 
lich alle angeführt werden können. So z.B. muss die Gebärende 
mit breitem Perinäum mehr als gewöhnlich eine horizontale Lage 
annehmen und die Beckengegend mehr als gewöhnlich erhöhen. 
Der Geburtshelfer wird in diesem Falle sorgfältig auf die Bewe- 
gung des Kopfes und auf den durch ihn veranlassten Druck auf 
das Mittelfleisch achten. Das Gefühl der unterstützenden Hand 
entscheidet über diese Punkte, weshalb er dieselbe niemals mit 
einem Tuche beschützen darf. — Ungeachtet der gehörigen Er- 
wägung aller Umstände, auf welche es bei der Unterstützung des 
Dammes ankommt, und ungeachtet der, den bestimmten Fällen 
entsprechenden Modificationen des erforderlichen Verfahrens, 
gibt es dennoch Fälle, in welchen der Dammriss nicht ganz ver- 
mieden werden kann. Die Voraussetzung, dass die reine Schnitt- 
wunde besser heile, als die Risswunde, führte in neuerer Zeit zu 
dem Vorschlage, in jenen schwierigen Fällen das Mittelfleisch einzu- 
schneiden. Nur in dem Falle, dass das, durch Narben. entstellte 
Mittelfleisch nicht dehnbar ist, kann erwähnte Operation Statt 
finden. — Bei den Geburten, welche gewöhnlich mit. einem 
Dammrisse enden, drängt der Kindskopf gegen das Perinäum, 
statt sich über dasselbe hervorzuwinden. Dies kommt hauptsäch- 
lich bei stark inclinirtem Becken vor. Es kommt hier auf. ein 
Mittel an, durch welches der Kopf gegen den Schambogen ge- 
richtet werden kann, und dieses Mittel ist die gewöhnliche Ge- 
burtszange. Allein sie soll nicht durch Zusammendrückung des 
Kindskopfes und durch so bewirkte Verminderung des Umfanges 
desselben nützen; sondern sie soll bloss. als Leitungsinstru- 
ment wirken: man darf weder drücken noch ziehen. Bei dem 
zweckmässigen Gebrauche der Zange bleibt der Damm meistens 
unversehrt; also darf man sich derselben bedienen, um in man- 
chen Fällen den unvermeidlich scheinenden Dammriss zu verhü- 
ten; aber man darf sie nicht, wenn der Darm gespannt ist, ab-
	        
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