Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

182 — IV. Chirurgie und Ophthalmologie, 
verbunden, auf die bloss liegenden Hirntheile aber ein mit ein- 
fachem Cerat bestrichenes Läppchen mit Charpie gelegt, was 
vortheilhafter als trockner Verband war. Innerlich wurde mit 
der Arnica fortgefahren. Da auch noch später Convulsionen, be- 
sonders beim Verbande eintraten, für ‚die der Verfasser ‚einen 
andern Grund nicht auffinden konnte, als die scharfen noch in 
das Hirn hineinragenden Knochenenden, so rieth er diese ent- 
weder aus den Suturen zu trennen, oder mit feiner Säge zu 
entfernen, indem sie das Gehirn reizen und die Heilung als nun- 
mehr fremdartige Theile verzögern mussten. Der Landarzt, des- 
sen. unmittelbarer Aufsicht der Kranke übergeben worden War, 
machte, der Lostrennung nicht geneigt, den Versuch, dieselben 
einzuheilen, wurde aber bald von der Natur eines bessern be- 
lehrt. Die Knochenreste stiessen sich nekrotisch und zum Theil 
cariög selbst los, und als ein Stück eingeheilt zu seyn schien, 
bildete sich ein Abscess und mit dem Kiter folgte ein losgetren- 
tes Knochenstück.‘ Nach Entfernung aller dieser Theile schritt 
die Heilung rasch vorwärte und wurde durch keinen Unfall: ge- 
stört, ‚ausser .dass am 12. Tage ein starker Fieberanfall ein- 
trat, der durch Moschus mit Campher beschwichtigt wurde. 
Da auf der leidenden Seite der‘ Musc: frontal, ‚und die Aufhe- 
bemuskel des obern Augenlides ganz zerstört waren, 80 blieb das 
Auge lange geschlossen. | Als die Heilung vorschritt, liess 6. 
daher den herunterhängenden Hautlappen durch Heftpflaster nach 
oben befestigen, um ihn der natürlichen Lage möglichst nahe zu 
bringen, was anfangs bedeutende Schmerzen machte. Bald zeigte 
sich, dass noch ein den untern Theil der Wunde reizender Kno- 
chensplitter verborgen war, und erst nach Entfernung desselben 
konnte das Auge willkürlich geöffnet und geschlossen: werden. 
Der Augapfel war nicht versehrt. Die Wucherung des jungen 
Fleisches auf dem Gehirne wurde endlich so stark, dass man 
gelinde Aetzmittel anwenden musste. . Die Berührung dieser Gra- 
nulation war für den Kranken äusserst schmerzhaft und schmerz- 
hafter als die des jungen Fleisches an den Hauträndern. Am 
empfindlichsten für den Hirntheil war die Berührung mit Eisen, 
Pincette, Sonde, was dem Verfasser um so bemerkenswerther 
scheint, als Viele glauben, ein Grund für Heilbarkeit der Hirn- 
wunden sey auch der, dass das Gehirn, besonders der oberfläch- 
liche Theil desselben, mehr unempfindlich wäre. — Später stellte 
sich durch Erkältung eine Diarrhöe ein, aber auch diese wurde 
gehoben und 21 Tage nach der Verletzung verliess der Verun- 
glückte das Bett und am 3. October ging er zum erstenmale 
aus. Langsam schritt nun, von keinem weitern Unfalle getrübt, 
die Vernarbung dieser grossen Wundfläche vorwärts, und am 
4. Febr. wurde der Kranke aus der Cur entlassen. Er. war 
wohlgenährt , gesund aussehend, alle Functionen des Körpers gin- 
gen regelmässig von Statten, kein Sinn hatte gelitten, und selbst 
das Auge der leidenden Seite war unverletzt, Willkürlich konnte
	        
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