Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

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; IV. * Gynäkologie und Pädlatrik. 
dehnt Blase und Harnleiter sus, dadurch werden nach und. nach 
auch die Schamknochen ausgedehnt. und weichem von einander; 
hierbei müssen nothwendig auch die geraden Bauchmuskeln von 
einander getrennt seyn; so wird die Blase nach vorn ihres ge 
wöhnlichen Schutzes beraubt und der ganzen pressenden. Gewalt 
ausgesetzt, die nun den vordern Theil der Blase nebst ihren Be- 
deckungen vor sich treibt, immer mehr verdünnt und ihnen. ei- 
nen ‚Weg nach aussen verstattet, bis sie zerplatzen; die Blase 
kann nun den Urin: nicht: mehr auffassen und wird durch den 
Druck des Unterleibes durch den Riss hindurchgepresst. MEcxeL 
entgegnet dieser Ansicht, dass es gar nicht erwiesen sey., dass 
der Harn beim Fötus dürch die Harnröhre ausgeführt werde und 
also durch Verschliessung derselben in der Blase angehäuft wer- 
den müsse u. 8. f., weil man sonst bei Verschliessunmx der. Harn- 
röhre immer Blase und Symphyse zerrissen finden. müsste; was 
doch nicht. immer .der Fall ist: denn; wenn Duncan annehme, 
dass in diesem Falle der Harn absorbirt worden; so “sey dies 
ebenfalls. nur eine Hypothese. — Nach Hraoen ist Trennung 
der Schambeine die nächste Ursache des Blasenvorfalls und Rup- 
tur: der vordern Blasenwand nächste Ursache der Umstülpungz 
beide sind meist zusammen vorhanden und veranlassen gemein«- 
schaftlich das Uebel. — Die prädisponirende allgemeine 
Ursache liegt, nach BLumenracH, in dem menschlichen Becken 
selbst, welches mehr in die Breite. gezogen ist und eine kürzere 
Schambeinvereinigung hat, als das der Thiere, also auch eher 
bersten kann; mancher Fötus ist mehr als andere dazu geneigt, 
besonders bei schwächlicher Organisation überhaupt; viele auf 
diese Weise missgebildete Kinder hatten Nabel-, Leistenbrüches 
bei männlichen kommt diese Missbildung häufiger vor, vielleicht 
weil das weibliche Becken, seiner künftigen Bestimmung gemäss, 
stärker und fester zusammengefügt ist; auch der weibliche Scham- 
bogen ist breiter, hat mehr knorpelige Zwischentheilchen und 
kann daher mehr aushalten. — In mehreren Beispielen . von 
solchen Missbildungen wird erzählt, dass die Mütter während der 
Schwangerschaft einen Fall, ‚einen Stoss, heftige Gemüthsbewe- 
gungen erlitten, sich versehen ‚haben sollen. — Die Prognose 
ist, da wir bis jetzt das Uebel weder durch eine Operation noch 
auf eine andere Weise zu heilen vermögen, ungünstigy obwohl 
das Leben solcher Unglücklichen selten dadurch gefährdet wird, 
80 ist es doch eine fortwährende Pein, die mit zunehmendem Al- 
ter nur wächst; selten ‚sind die männlichen Individuen zur Fort- 
pflanzung tauglich, obwohl. sie Zeugungsorgane, Geschlechtstrieb 
und sogar Samenergiessungen haben; von weiblichen hat man meh- 
rere Beispiele von Befruchtung (Huxwam); doch kann hier die 
Geburt nicht wohl ohne Nachtheil für die missgebildeten ‘Ge: 
schlechtstheile erfolgen. — Cur; Hofrath Büneer in Marburg 
hat dem Verf, eine Idee zu einer Operation dieses Uebels mitge- 
Hheilt, die er bei der ersten schicklichen‘ Gelegenheit auszufüh-
	        
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