Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

MI. Chirargie und Ophthalmologie. 427 
existiren konnte. Die öfteren Blutungen hatten den Kranken sehr 
geschwächt; der Puls war klein, blutleerz die Hautfarbe blassz 
der Körper ganz abgemagert. Da aber eine sehr starke, fast 
lebensgefährliche Blutung wieder eingetreten war, schritt H. zur. 
Operation. Der Kranke wurde auf einen Tisch gebracht und 
fiel in ‚eine tiefe Ohnmacht, während weicher die Blutung, wie 
natürlich, stand; mit dem Verschwinden derselben aber drohte 
auch die Rückkehr jener. H. besanu sich daher nicht lange und 
Schnitt, während der Kranke nur schwache Aeusserungen vom 
Leben gab, den Penis jenseits seiner untern Hälfte mit einem 
Messerzuge ab. Der Kranke kehrte nun allmählich zum Bewusst- 
seyn zurück und sahe während dessen alle Gegenstände nur halb, 
und zwar die obere Hälfte derselben. Keine Blutung stellte sich 
ein; die Schnittläche war und blieb blutleer, weiss, keine Ar- 
terie war thätig, und die Unterbindung unter diesen Umständen 
nicht ausführbar, da die Schlagader nicht zu fassen war. So 
weit war die Blutleere des Kranken gestiegen. Es ward nun ein 
silberner Katheter eingebracht, die Schnittwunde mit dem Ung, 
cereum bedeckt und der Rumpf des Penis, welcher durch den 
Katheter Haltung bekam, mit einer Cireularbinde umgeben. Wäh- 
rend der ganzen Cur, die bei dieser einfachen Behandlung glück- 
lich von Statten ging, erfolgte auch nicht ein einziges Mal eine 
Blutung; die Kräfte nahmen bald zu; die Heilung geschah voll- 
kommen, und da gegen 2 Zoll von dem Penis erhalten werden 
konnten, so lässt der Operixte seinen Urin so gut, wie vor der 
Operation, und erfreut sich einer Gesundheit, die der frühern 
vollkommen gleich kommt... [Pfaff s Mittheil. aus der Med., Chir+ 
wrgie u. Pharmacie, Jahrg. II, Hft. 2, 1833.) (Fr.) 
;.: 287. Geheilte Atresia urethraee congenita; von 
Dr. BurdacH zu Finsterwalde. B. wurde zu einem Tags zuvor 
geborenen Knaben gerufen, der völlig ausgetragen, gut genährt 
und sonst wohl geformt war, aber den Harn nicht lassen konate. 
Aeussere Form und Bildung dem Geschlechtstheile schienen nor- 
mal zu seyn. Der Penis war von gewöhnlicher Länge und Stärke, 
Wo aber die äussere Oeffnung der Harnröhre seyn. sollte, man- 
gelte dieselbe, und man bemerkte nur einen kleinen schmalen 
Eindruck, in dem sich auch nicht die kleinste Oeffnung. fand. 
Unter sichtbarer Unruhe stellte sich oft ein Trieb zum Harnen 
ein, doch war nirgends, auch nicht aus dem After, Ausfluss des 
Urina wahrzunehmen.‘ Unter diesen Umständen entschloss sich 
B. zum Versuche, die Harnröhre wegsam. zw machen, und führte 
daher an der Spitze: der Kichel' und zwar wo der grubenförmige 
Eindruck zu sehen war, eine schmale. Lancette nach.und nach 
+ Zoll tief ein, . Nach jedem Fortrücken untersuchte er.mit der 
Sonde, eb Communieation mit einer etwaigen Harnröhre einge- 
treten. sey, als diese sich aber nicht zeigte, legte er einen dün- 
nen ,. elastischen Katheter in den: gemachten Canal und führte 
durch deuselben den Canal mit einem -Stilet weiter. So vwver-
	        
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