Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 401 
störter Haut- und Nierenfunctioni von Dr. C. L. Pe- 
TRENZ zu Schandau. Ein 24jähriger Landmann, der, ausser zu 
Zeiten eintretenden Rückenschmerzen, in Folge ’ererbter Hämor- 
rhoidalanlage , stets ganz gesund gewesen war, hatte sich eine 
heftige Erkältung zugezogen‘, wonach er sich sogleich unwohl 
fand und den Harn nur mit. Mühe und: unter Schmerzen zu 
entleeren vermochte. Das Leiden verschlimmerte sich täglich, 
und endlich entschloss ‘sich Patient, ärztliche Hülfe zu suchen, 
Der Verf. fand bemerkbare Abnahme der Kräfte und des Kör. 
pervolumens, die Haut ganz passiv, den Unterleib anfgetrieben, 
die Gegend der Ureteren schmerzhaft nicht so die der Nieren 
und um die Harnblase; : Der Urin ging jetzt- zwar ohne Schmer- 
zen, aber nicht sogleich ab, sondern es. währte längere Zeit, 
ehe nur' so viel, als ein kleines Branntweinglas fasst, von trü- 
ber Farbe, nach wiederholten Anstrengungen entleert werden 
konnte, Der Darmcanal hingegen war in vermehrter Thätigkeit, 
es erfolgten häufige, wässerige Stühle mit etwas Schleim und 
geronnenem Blute, Ausser der allgemeinen Schwäche befielen 
den Kranken öfters Schauer; der Schlaf war aber gut. ‘ Der 
Darmcanal hatte, wie aus dem, selbst bei vermehrter Körper- 
anstrengung, Statt findenden Mangel an Schweiss, der unverhält- 
hissmässig geringen und fast schmerzlosen Urinabsonderung, aus 
der Nachgiebigkeit und Schmerzlosigkeit der Blasengegend, bei 
starkem Drucke derselben, und endlich aus den häufigen, wäs- 
serigen, Darmentleerungen abzunehmen war, die stellvertretende 
Thätigkeit der Haut- und fast. ganz unterdrückten Nierenfunction 
übernommen. : Die Prognose war zweifelhaft, die Indication: die 
alienirte Haut- und Nierenfunction auf die ihnen angewiesenen 
Organe zurückzuführen, und so die doppelt gesteigerte Thätig- 
keit .des Darmcanals .herabzustimmen. : Innerlich ward Opium, 
Ipecacuanha und Kantharidenpulver und äusserlich auf die schmerz- 
haften Stellen des Unterleibes und des Blasenhalses ein Liniment 
aus kaustischem Salmiakgeist, Laudanum und Bilsenkrautöl ver- 
ordnet. Diese. Mittel verschafften schon nach 8 Tagen merkli- 
che Erleichterung und nach vierwöchentlichem Gebrauche dersel- 
ben. wurden noch bittere Extracte mit aromatischen und spiri- 
tuösen Zusätzen verbunden und eine nahrhafte Diät vorgeschrie- 
ben. wonach sich die beeinträchtigten Organe immer mehr und 
mehr ihrem Normalzustande näherten, die Kräfte und frühere 
Körperfülle: zurückkehrten. . Wiewohl der Kranke bei diesen gün- 
stigen, Aussichten plötzlich von einem Schmerze zwischen der 
Harnblase und .dem Nabel befallen wurde, dem - wahrscheinlich 
eine Erkältung zu Grunde lag, so verlor sich dieser bei den 
passenden Mitteln doch sehr bald, und Patient‘ wurde von: dem 
Verf. nach Verlauf von 2 Monaten, völlig hergestellt, entlassen. 
[Xust’'s Magazin, Bd. 40, Hft. 2. Hu) 0 
6% 270, Ueber Nierenkrankheiten als Ursachen von 
gefährlichen Zufällen und plötzlichem Tode; von J. 
Summarium d. Mediecin. 1833. VI. >6G
	        
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