Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

V. Gynäkologie und Pädiatrik. 567 
bekam sie die Idee, sie sey krank, und’es zeigte sich, wiewohl 
fieberloses‘, Irrereden, das aber verschwand, als man ihr ein ihr 
gehöriges‘ Büchschen mit einigen Kreuzern; das‘sie zu vermis- 
sen schien, reichte. — Eine 37jährige, zum dritten Male ge- 
Schwängerte, rohe, unfolgsame Person bekam am 3. Tage nach 
ihrer glücklichen Entbindung beim Eintritte des Milchfieberg zu- 
gleich Schmerzen im Unterleibe, die einer‘ geeigneten Behand 
Jung bald -wichen;, aller, Vorstellungen‘ ungeachtet verliess sie am 
10. Tage die Anstalt und ging bei ungünstiger Witterung nach 
ihrer 2 Stunden’ weit entlegenen Heimath, wo sie sogleich viel 
rohe Speisen genoss; alsbald stellten‘ sich wieder die heftigsten 
Unterleibsschmerzen ein, so dass sie am 3: Tage wieder in das 
Landkrankenhaus gebracht wurde; ihre Gesichtszüge :verriethen 
ein tiefes. Leiden ,- der ganze Unterleib war sehr angeschwollen 
und schmerzhaft, besonders nach der Schamgegend ‘zu; die Lo- 
chien unterdrückt, der Durst unauslöschlich mit abwechselnder Fie- 
berhitze, der Puls voll und hart, nur die Rückenlage  einiger- 
maassen erträglich ’-jede Bewegung aber äusserst. schmerzhaft, 
der Stuhl verstopft, der Urin röthlich flammend, mit dickem 
Bodensatze. Unter der zweckmässigsten Behandlung und Pflege 
bildete sich am 8. Tage in der Leistengegend: ein Abscess; ‘der 
äm 12, aufgeschnitten wurde und zur grössten Erleichterung der 
Kranken eine Menge Eiter entleerte; nach“ einer ‚nur ‘ wenige 
Tage andauernden Besserung verschlimmerten sich‘ die Krank- 
heitssymptome auf’s heue, besonders quälte“ die Kranke ein dum- 
pfer, brennender' Schmerz an einer erhabenen Stelle des linken 
Hinterbackens, in der Gegend der Ineis. ischiad., mit Taubheit 
der‘ diesseitigen Unterextremität: nach einigen Tagen hatte -sich 
auch hier ein Abscess‘ gebildet‘, der aufgeschnitten ebenfalls eine 
beträchtliche Menge übelriechenden Eiter ergoss; alsbald‘ stell- 
ten sich die Lochien wieder ein; und nach 5 Wochen verliess 
Patientin mit‘ ihrem 'Kinde gesund die Anstalt, —- Bei -einer 
schon seit 16 Jahren an Hemiplegie der rechten Seite leidenden, 
42jährigen, zum ersten: Male Schwangern ‘verliefen Geburt und 
Wochenbett normal; das Kind, dessen ‚rechte‘ Pupille‘ ganz. ver- 
schlossen war, starb am‘ 2. Tage nach‘ der Geburt aus Lebens« 
schwäche. — Eine 23jährige Erstgebärende, "die des Nächts von 
der Geburt überrascht wurde; gebar- unter heftigem Wehendrange, 
unmittelbar an der Pforte der Anstalt, ohne‘ Hülfe im Stehen; 
die Nabelschnur zerriss und das Kind"stürzte mit dem Kopfe auf 
die Steinplatten vor: der Pforte, welche in’-diesem Augenblicke 
geöffnet wurde; die Mutter trug das schreiende Kind‘ in ihrer 
Schürze in die im 3. Stockwerke befindliche Anstalt; kaum lag ‘816 
im Bette, so folgte auch die Nachgeburt; Mutter und Kind verliessen 
am 9. Tage gesund die Austalt, —- Von dem 3 in diesem Jahre 
zum Hebammenunterrichte eingeschickten Frauen waren 2 schon 
80 bejahrt, und mit so geringer Fassungskraft begabt, dass, aller 
Mühe und Geduld des Lehrers ungeachtet , dieselben ihrem Be-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.