Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

IT, Materla medica und Toxikologie. 355 
von Anprar, dass Nur vomica, Strychnin und Bruein, ‘trotz 
der günstigen Wirkung in diesem Falle, in den meisten Fällen 
von Lähmung, die nach frischen Anfällen von Apoplexie entste- 
hen, erfolglos, ja sogar schädlich seyen, wenn verabsäumt worden 
ist, die so nothwendigen: Entleerungen vorher gehen zu lassen. — 
2) Ein 28jähriger Mann litt an einer allgemeinen Lähmung; 
Beine und Arme hatten Bewegungs- und Empfindungsvermögen 
gänzlich verloren; erstere bildeten einen‘: rechten Winkel mit den 
Hüften und konnten nicht ausgestreckt werden; der Darmkanal 
hatte durchaus das Vermögen, sich seines Inhalts zu entleeren, 
Verloren, so dass dem Kranken von Zeit zu Zeit reizende Kly- 
stiere gegeben werden mussten. Die frühere Lebensweise des 
Kranken, so wie sein Ansehen, berechtigten‘ zu der Annahme, 
dass das Leiden in Folge des anhaltenden und unmässigen Ge- 
brauchs von Bitterbier und hitzigen Getränken), namentlich von 
Wachholderbranntwein, welcher höchst wahrscheinlich mit Blei- 
zucker verfälscht war, sich entwickelt hatte. Demzufolge be- 
schloss G. die Anwendung des - Strychnins - in "starken Gaben. 
Pat. bekam täglich ein tüchtiges Klystier aus Alo&; wenn dieses 
gewirkt hatte, ein zweites aus 4 Gr. Strychnin in einem schlei- 
migen Vehikel; ferner „% Gr. Strychnin Abends und Morgens 
innerlich, Am 15; Jan. ward angefangen und bis zum 24. so 
fortgefahren, von wo an er diese Gabe Strychnin täglich 3 Mal 
erhielt.‘ Am 26, wurde bis zu 4 Gr. Morgens und Abends ge- 
stiegen; und zugleich Abends die zusammengesetzten Aloepillen 
gegeben, um den: untern Theil des Darmkanals zu erregen,‘ Mit 
den Klystieren aus Strychnin wurde fortgefahren. So wurde die 
Behandlung bis zum 8. Febr. fortgeführt, von wo an täglich 3 
Pillen, jede 4 Gr. enthaltend, Abends und Morgens gegeben 
wurden, neben dem Fortgebrauche der Aloepillen und der Strych- 
ninklystiere. . Um die Beugung des Gliedes zu beseitigen, wurde 
eine Schiene, die vom After bis zur Ferse ging, angelegt (nach 
PrmsERTON), aber als unzweckmässig nach einigen Tagen wieder 
abgenommen, — Am 16. wurde zu den andern Mitteln- noch die 
Tinct: ferr. muriat. hinzugefügt, und‘ bis ungefähr Mitte Mai 
gegeben. Einige Tage lang nach der ersten Anwendung des 
Strychnins zeigten sich- wenig eichtliche Veränderungen, und die 
gewöhnlichen: tetanischen Zusammenziehungen waren kaum“ be- 
merkbar, so wie sie überhaupt während der ganzen Behandlung 
nicht sehr beträchtlich waren. Nach 14 Tagen zeigte sich eine 
Mmerkliche Besserung; Pat. fing an seine Arme mit Leichtigkeit 
zu beugen und auszustrecken, und konnte schon mit den Hän- 
den Gegenstände ziemlich fest fassen. Von dieser Zeit an schritt 
die Besserung, wenn auch langsam immer weiter fort; der Darm- 
canal gelangte allmählich zur normalen Thätigkeit. Am 1, März 
hatte sich die Beweglichkeit der Glieder‘ schon so weit wieder 
gefunden, dass dem Kranken nichts: weiter am Gehen hinderte, 
als‘ die Beugung der‘Beine und ein zu‘ grosses Misstrauen ip
	        
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