Full text: (6. Band = 1833, No 17-No 24)

HI. Materia mediea und Toxikologie. 
19. Vom Nutzem des Jodins bei apokryphischen 
Halsgeschwüren; mitgetheilt von Dr. Martm in Lübeck. 
Als Former das Jodin dringend empfahl, flösste dem Verf. die 
Aehnlichkeit dieses Mittels mit gebranntem Meerschwamm viel 
Zutrauen ein, wenn man auch, selbst nach einer solchen Em- 
pfehlung, nicht hastig mit Anwendung neu entdeckter Heilmittel 
seyn muss, — ‘Kröpfe finden. sich eigentlich gar nieh$ in Lübeck. 
Aber ein Arzt hatte Jodin mit Erfolg gegen eine verhärtete, auf- 
[zetricbene Prostata und ein anderer, durch GiRTanneR bestimmt, 
ebenfalls mit Nutzen gegen muthmaassliche Chanker im Halse ge» 
geben. Auch hatte es sich imnerlieh und äusserlich in Scrophelin 
nützlich bewiesen, was alles zu Versuchen einladen musste: Nun 
plagte sich im Frühling‘18321 der Verf, gerade mit ‚einer 40jäh- 
rigen Frau, die seit Anfange des Jahres höchst verdächtige 
[Halsgeschwüre hatte, ohne weiter angesteckt gewesen za seyn. 
Davon, dass viele solche Geschwüre allzuvoreilig für venerisch 
gehalten und endlich zu merkurialischen gemacht werden, war 
er durch viele Fälle überzeugt. Er hatte oft bei ganz gesun- 
den Menschen ohne bedeutende Ursachen Entzündungen. des 
Gaumensegels, des Zapfens, der Mandeln, der obern Partie des 
Schlundkopfes entstehen sehen, die schnell .in fressende Ge- 
(schwüre übergingen und eben so schnell nach gänzlicher. oder 
theilweiser Zerstörung des Gaumensegels und Zerfressung oder 
gar Vertilgung des Zapfens heilten. KEin.Mal sah er Letztere 
binnen 24 Stunden bei einem ganz gesunden Manne erfolgen, 
und gleich darauf war der Hals gesund. Auch war ihm bekannt, 
dass bei Manchen nie auszumitteln ist, ob die erlittene veneri- 
sche Ansteckung, oder das dagegen erhaltene Quecksilber, oder 
ob Beides zugleich ihr Uebel ausmache. So. ging es. ihm nun 
auch mit der in Rede stehenden Frau, und so kam er auf das 
Jodin, das er nach Formpy’s oder Comvort’s Methode gab, und 
feiche die heftigen, quälenden, tiefen, weit ip den Schlund hin- 
eingehenden Geschwüre besserten sich schon nach, einigen Ta- 
gen und heilten schnell bis zur völligen Narbenbildung aus. Ne- 
Prenbei erwies sich das Jodin zugleich als treffliches Stomachi- 
cum, Die welke, elende Frau bekam Appetit, wurde stärker 
und munterer und war im April frisch und gesund. Ja eine 
jährige Leukorrhöe verlor sich, als sie dies Mittel nahm und 
kehrte nieht wieder. Zwei Jahre bot sich mun keim ähnlicher 
Fall zur Prüfung des Jodins‘ dar. Nur gegen Fluor albus liess 
es M. einige Male mit recht gutem Erfolge nehmen, doch hatte 
er nebenbei noch örtliche Bäder und Kinspritzungen benutzen 
lassen, ®o dass die Wirkung auch davon abhängen konnte. 1823 
bekam der Verf. aber 3 Kranke mit recht üblen Halsgeschwüren; 
[die man teicht für venerische helten konnte, da früher Anste- 
ckung Statt gefunden, in Behandlung. Der eine war ein junger 
Seemann, der in Fraypkreieh gegen. primäre Chanker viel Syrop 
de Lafectear und du Cuisinier genommen und nun nach 2 Jah-
	        
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